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Heute
das Wort verkünden |
| Der
Dienst am Wort und dessen C.PP.S.-Umfeld von Robert Schreiter, C.PP.S. |
| Kirche
und Kommunikation von Chesco Msaga, C.PP.S. |
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Das
Wort Gottes in einer säkularisierten Gesellschaft verkündigen |
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Mit
dem Strom schwimmen: Das Leben eines Wander-Missionars |
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Das
Wort Gottes in der Jugendarbeit |
Heute
das Wort verkünden 
Barry Fischer, C.PP.S.
In den vorausgehenden Ausgaben des "Kelches" dachten wir nach über
das Wesen unserer Kongregation als Gesellschaft des Apostolischen Lebens und
über unser missionarisches Charisma. Unsere Normativen Texte sagen klar,
dass das "apostolische Ziel" unserer Kongregation "der apostolische
und missionarische Dienst am Wort" ist (C3; vgl. C24). Verkündigung
des Wortes Gottes gehört also wesentlich zu unserer C.PP.S.-Identität.
Diese Ausgabe des "Kelches" wird dieses wichtige Thema unter die Lupe
nehmen und zwar im Lichte unserer Tradition, des heutigen Verständnisses
der "Evangelisierung" und im Zusammenhang mit der Spiritualität
des Kostbaren Blutes, damit wir auf die sich wandelnden Situationen und kulturellen
Umfelder antworten können, wo wir heute dienen.
Evangelisierung
Unsere Verkündigung des Wortes Gottes muss im Verkünder Christus wurzeln.
Er kam, um die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Er umschrieb
seine Sendung zu Beginn seines öffentlichen Lebens mit dem Zitat aus dem
Propheten Jesaja: "Der Geist des Herrn ruht auf mir. Denn Er hat mich gesalbt
und mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen" (vgl. Lk 4,
18-19).
Papst Paul VI. erinnert uns in seiner Apostolischen Exhortation Evangelii nuntiandi,
dass "alle Einzelheiten seines Geheimnisses - einschliesslich der Menschwerdung,
seine Wunder, sein Lehren und Sammeln der Jünger, die Aussendung der Zwölf,
das Kreuz und die Auferstehung sowie seine ständige Gegenwart unter den
Seinen - zu seiner Verkündigung des Evangeliums gehörten" (Nr.6).
Die Aufgabe, das Evangelium allen Völkern zu verkünden, gehört
zur wesentlichen Sendung der Kirche (EN 14). Innerhalb dieser Sendung der Kirche
müssen wir als Söhne von Kaspar unsere eigene Berufung sehen, "den
Dienst am Wort" zu leben.
Wichtig
ist das persönliche Zeugnis
Die Verkündigung des Wortes Gottes kann nicht ein blosses Mitteilen einer
absoluten und abstrakten Wahreit sein, sondern das Mitteilen der persönlichen
Erfahrung Christi. Das sagt Johannes sehr klar in seinem ersten Brief: "Was
von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen,
was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden
wir: das Wort des Lebens...was wir gesehen und gehört haben, das verkünden
wir jetzt euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft
mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1,1-4).
Die Quelle jeder Form unserer Verkündigung muss unsere persönliche
Beziehung zu Christus sein. Das Wort Gottes hat in unserem Leben Wurzeln geschlagen
und wir haben seine umwandelnde Kraft erfahren. Deswegen ist es unsere Aufgabe,
den andern über unsere Beziehung zu Jesus und über das neue Leben
zu erzählen, das alle durch eine ähnliche Beziehung zum Herrn erfahren
können. Daher ist die ständige Erneuerung und Vertiefung unserer persönlichen
Beziehung zum Herrn die erste Aufgabe der Verkündigung. Unser apostolisches
Zeugnis wird wirksam, wenn wir uns nähren "durch Gebet, die heilige
Liturgie, die Hl. Schrift und die lebendige Tradition der Kirche" (C23).
Diese Beziehung zum Herrn wird in uns das Feuer für die Sendung entfachen
und uns zu glaubwürdigen Zeugen des auferstandenen Herrn machen!
Der
Gesichtspunkt des Kostbaren Blutes
Es ist klar, dass wir nicht die einzige Kongregation in der Kirche sind, deren
Ziel der "Dienst am Wort" ist. Der Predigerorden (Dominikaner) besteht
schon viel länger als wir. Auch die Orden, wie die Missionare vom Göttlichen
Wort, sind gesandt, "das Wort Gottes allen Völkern zu verkünden".
Wir sind geschichtlich auch nicht die einzige Kongregation, die "die besondere
Verkündigung des Wortes Gottes in Missionen und Exerzitien" betont
hat. Es genügt, unter vielen anderen die Redemptoristen und die Passionisten
zu nennen. Was kann also uns Missionaren des Blutes Christi als besondere Ausrichtung
kennzeichnen?
Der hl. Kaspar predigte mit Vorliebe mit dem Kreuz in der Hand und pflegte zu
sagen: "Wir verkünden Christus und zwar Christus als den Gekreuzigten."
Wenn wir über Christus sprechen, wissen wir, warum Christus gekreuzigt
wurde! In seiner Angelus-Botschaft lud der Papst Johannes Paul II. am 2. Juli
2000 die Gläubigen ein, ihren "Blick auf das Kreuz Christi zu richten,
auf den Sohn Gottes zu schauen, auf sein durchbohrtes Herz, auf das vergossene
Blut." Er fuhr fort: "Dieses Blut war nicht umsonst vergossen. Es
trägt in sich die ganze Macht der Liebe Gottes und ist ein Unterpfand der
Hoffnung, der Erlösung, der Versöhnung". Bei der Begrüssung
der vielen tausend Pilger und Pilgerinnen auf dem Petersplatz bei der Jubiläumsfeier
am l. Juli sagte er: "Wie könnten wir je die Kostbarkeit jedes Menschen
vergessen, nachdem Christus für jeden, ohne Ausnahme, sein Blut vergossen
hat?" Die Spiritualität des Kostbaren Blutes inspiriert und orientiert
unsere Sendung und damit auch unseren Dienst am Wort. Im Kern des Wortes, das
wir verkünden, steht die Bestätigung der "Kostbarkeit" jeder
im Blut Christi erlösten Person. Weil wir Kostbar-Blut-Missionare sind,
muss unser Leben Zeugnis geben für Versöhnung, Bund und Kreuz, Ehrfurcht,
Liebe und Bejahung.
Neue Areopage
Der hl. Kaspar, unser Gründer, ist für uns ein hervorragendes apostolisches
Beispiel. "Sein klares Wissen um die Lebensumstände und Bedürfnisse
seines Volkes und seine vorbehaltlose Antwort darauf sollten auch unser Leben
bestimmen" (C22). Für Kaspar, war "das Predigen bei der Volksmission
und in den Exerzitien" ganz klar das Mittel, um auf die Bedürfnisse
seiner Zeit zu antworten. Aber Kaspars Dienst beschränkte sich nicht auf
diese besondere Form des Dienstes am Wort. Auch in der historischen Entwicklung
unserer Kongregation hat dieser Dienst sehr viele Formen angenommen, während
unsere Missionare auf die Herausforderungen jeder neuen Zeit und der verschiedenen
Kulturen und geschichtlichen Situationen antworteten, in die sie gestellt waren.
So haben wir in "schöpferischer Treue" zu unserem Gründungscharisma
gelebt. Diese Treue hängt von unserer Fähigkeit ab, die evangelische
Quelle unseres Charismas in Zeitumständen zu finden, die anders sind als
zur Zeit der Gründung. Schöpferische Treue verlangt das Gespür,
das ursprüngliche Charisma in die heutige neue Situation zu übersetzen.
Als Kongregation, deren Aufgabe der Dienst am Wort ist, bleibt die ausdrückliche
Verkündigung des Wortes eine Pflicht, auch wenn die Verkündigung je
nach Umständen verschiedene Formen annehmen kann. Wir dürfen die Verkündigung
des Wortes nicht mehr auf die Kanzel beschränken oder auf die "Volksmissionen".
In Redemptoris Missio nennt der Hl. Varter die Welt der Kommunikation als den
ersten Areopag der modernen Zeit (Nr. 37c). Die Massenmedien spielen einen immer
grösseren Einfluss auf die Ausbildung der Völker im guten wie im schlechten
Sinn. Deswegen müssen wir sie in Dienst nehmen, um "die Gute Nachricht"
in einer Sprache auszustrahlen, welche die Leute heute verstehen. Ebenso wäre
es ein grosser Irrtum, wenn wir die Herausforderungen des Internets übersehen
würden. Internet ist mehr als nur eine Erfindung der Technik. Ungeheuer
viel Information und Austausch von Ideen spielt sich darin ab.
"Geht und
verkündet das Evangelium bis an die Grenzen der Erde". Dieser Ruf
bedeutet heute, die Menschen in jenen fernen Ecken ihres Lebens zu erreichen,
wo sie ihre Zeit verbringen und wo ihre Wertordnung geformt oder entstellt wird!
Die Parkanlagen und Dorfplätze, wo Kaspar predigte, sind heute durch andere
"Treffpunkte" ersetzt, wie z.B. "the World Wide Web"!
Diese Ausgabe folgt verschiedenen Wegen, auf welchen unsere Missionare durch
ihren Dienst am Wort auf die Herausforderungen der Zeit antworten.
P. Robert Schreiter macht den Auftakt zu dieser Ausgabe, indem er untersucht,
wie sich das Umfeld auf den Dienst am Wort auswirkt. Das Hauptanliegen der Evangelisierung
ist die Kommunikation: Zuerst teilt Gott sich uns durch seinen Sohn mit. Er
ist "das Wort" an die heutige Technologie.
P. Chesco Msaga, Missionar in Tanzania, untersucht, wie die Massenmedien die
Evangelisierung in Afrika herausfordern. Er ruft uns dringend auf, uns auf diesem
Gebiet einzusetzen, weil die Medien das Denken des Volkes prägen. Das kann
ein sehr wirksames Mittel sein, das Evangelium auszubreiten.
Anschliessend legt P. Alois Schlachter aus der deutschen Provinz, der Mitglied
eines inter-kongregationalen Missions-Teams ist, den Akzent auf einige besonderen
Herausforderungen an jene, die den Dienst am Wort in einer stark säkularisierten
Gesellschaft Mitteleuropas ausüben. Unter anderem betont er, wie wichtig
ihr "Team-Zeugnis" in der individualistischen Gesellschaft ist.
P. Al Naseman, aus der Provinz Cincinnati war in seiner Jugend beeindruckt von
der Predigt der Kostbar-Blut-Missionare. Da er lange Jahre Wanderprediger war,
erzählt er in seinem Artikel einige konkrete Erlebnisse, die ihm als Wander-Missionar
"unterwegs" begegneten.
Zuletzt zählt P. José Luis Morgado, ein junger portugiesischer Priester
der Spanischen Provinz, einige Herausforderungen auf, denen er in seinem Dienst
der Verkündigung des Evangeliums unter der heutigen Jugend begegnet ist.
Eine solche Herausforderung ist die Überwindung der Trennung von Glaube
und Leben bei unserer Verkündigung des Evangeliums. Unser Leben sollte
eine offene Einladung an die jungen Leute sein: "Komm und sieh!"
Das sind nur wenige Beispiele, wie unsere Missionare rund um die Welt das "apostolisches
Ziel" der Kongregation durch ihren "Dienst am Wort" leben. In
Redemptoris Missio heisst es: "Es gibt viele andere Formen von 'Areopagen'
in der modernen Welt, denen sich die Missionstätigkeit der Kirche zuwenden
sollte, z.B. Einsatz für den Frieden, Entwicklung und Befreiung der Völker,
Rechte der Einzelnen und der Völker, vor allem der Minderheiten, Förderung
der Frauen und Kinder, Bewahrung der Schöpfung. Auch diese Bereiche müssen
vom Licht des Evangeliums durchleuchtet werden" (RM 37c).
Als Missionare
des Blutes Christi, deren Auftrag der Dienst am Wort ist, sind wir berufen,
beim Lesen der Zeichen der Zeit offen und beweglich zu sein und zu versuchen,
auf die Herausforderungen der neuen Evangelisierung zu antworten.
Der
Dienst am Wort und dessen C.PP.S.-Umfeld
P.
Robert Schreiter, C.PP.S.
Einleitung: Das Wort in der Welt
Der Dienst am Wort,
den wir Kostbar-Blut-Missionare ausüben, hat seine Wurzeln in dem Wort,
das am Anfang bei Gott war (Joh 1,1-2). Gott sandte es in die Welt, es nahm
Fleisch an und wohnte unter uns (Joh 1,14). In diesen Versen des Prologs des
Evangeliums nach Johannes finden wir die Zusammenfassung des gesamten Dienstes
am Wort.
Das Wort Gottes war am Anfang bei Gott und durch das Wort hat Gott die Welt
erschaffen (Gen 1,3 ; Joh 1,3). Obschon Gott das Wort in der Zweiten Person
der Dreifaltigkeit in die Welt sendet, ist das Wort auf eine gewisse Weise schon
in der Welt, weil die Welt durch das Wort erschaffen wurde. Die Tatsache, dass
dieses in die Welt gesandte Wort, Fleisch annimmt, d.h. die Form der Welt annimmt,
bedeutet, dass das Wort der Welt nicht fremd ist, weil die Welt durch das Wort
geschaffen wurde. Indem das Wort Fleisch annimmt, wird die Welt mit dem Wort
Gottes - dem Wort des ewigen Lebens (vgl. Joh 6,68) - auf eine neue, ganz besondere
Weise vereinigt.
Was bedeutet das für unseren Dienst als Kostbar-Blut-Missionare? Es bedeutet,
vor allem, dass unser Dienst am Wort nicht eine einzige Form haben kann, wie
wenn das Wort Gottes nur auf eine Art in der Welt gegenwärtig sein könnte.
Die ganze Bedeutung der Inkarnation des Wortes besteht darin, dass die ganze
Welt enger mit seinem Schöpfer verbunden wird durch das Wort, das die ganze
Schöpfung mit Gott versöhnt. Für uns C.PP.S.-Missionare geschieht
diese Versöhnung am klarsten durch die Vergiessung des Blutes Christi.
Das Blut seines Kreuzes schafft Frieden zwischen Gott und der Welt (Kol 1,20).
Es bedeutet zweitens, dass unser Dienst am Wort immer Wege sucht, wie die Welt
das erlösende Wort auf eine ganz besondere Weise hören sollte, und
zwar so, dass es die Welt wirklich in eine innigere Beziehung mit der Heiligsten
Dreifaltigkeit bringt. Das Wort erfüllt ja seine Senung nicht nur, wenn
es gesprochen wird, sondern vor allem, wenn es gehört wird. Denn die Beziehung
zwischen dem Wort und der Welt geschieht durch das Hören.
So kann uns unser Dienst am Wort zu vielen verschiedenen Formen des Dienens
rufen, je nachdem, wie die Welt in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten
Ort das Wort als das im Blut Christi erlösende Wort hören sollte.
Der
Dienst am Wort als Sendung
Nummer sieben des "Kelches" des neuen Bundes ging der Frage nach,
wie der C.PP.S. Missionar ist. Es hiess, dass das Meiste von dem, was wir tun,
Evangelisierung ist, wie Papst Johannes Paul II. sie versteht: Erneuerung und
Aufbau des Leibes Christi innerhalb der Kirche und vor allem in jenen Teilen
der Welt, wodas Christentum schon in irgend einer Weise angenommen wurde. Wir
arbeiten auch in der so genannten ersten Evangelisierung, indem wir das Evangelium
Menschen verkünden, die es noch nie gehört haben. Die Arbeit im Vikariat
von Brasilien und Tanzania und in der indischen Delegation sind Beispiele dafür.
Jene Ausgabe des "Kelches" bot viel Gelegenheit, zu erfahren, wie
wir als Missionare in verschiedenen Wirklichkeiten arbeiten.
In diesem Artikel möchte ich unser Augenmerk ein wenig auf den Dienst am
Wort der C.PP.S.-Missionare im Laufe der Geschichte und in der heutigen Situation
lenken.
Der
Dienst am Wort in der C.PP.S.-Geschichte
Der vorangige Dienst am Wort zur Zeit Kaspars und bei der Gründung der
C.PP.S. waren zweifellos die Volksmissionen in den Pfarreien und Ortschaften
des Kirchenstaates. Wir würden heute sagen: Dieser Dienst am Wort war damals
die denkbar beste Form der Neu-Evangelisierung. Ziel der Volksmission waren
die Erneuerung des Glaubens in allen Bereichen einer Pfarrei oder einer umfassenderen
Gemeinschaft. Das ist für uns ein klares Zeichen für das besondere
Geschenk Kaspars an die Kirche und an uns. In den Konstitutionen (C1), heisst
es, dass sie (Kaspar und seine Nachfolger) durch ihr "Leben in Gemeinschaft
eine Quelle staändiger Erneuerung für Priester und Volk waren, vor
allem durch die Predigt bei der Mission oder in den Exerzitien. Aus diesem Kern
stammen die Gesellschaft des Kostbaren Blutes und ihr Geist."
So zentral diese Form des Dienstes am Wort auch war und noch immer ist, sie
war nie die einzige, die die Sendung der Missionare prägte. Im Jahre 1825
dachte der hl. Kaspar ernstlich daran, Mitglieder seiner Gemeinschaft als auswärtige
Missionare nach Ischia zu schicken. Er liebte ganz besonders den Dienst in Santa
Galla und legte seinen Missionaren ans Herz, dieses wichtige Werk nie zu vergessen..
Der erste grössere Schritt der C.PP.S. über die Grenzen der italienischen
Halbinsel führte die Missionare in eine ganz neue Wirklichkeit: die Grenzgebiete
der Vereinigten Staaten. Dort rief sie der Dienst am Wort, zuerst für die
Infrastruktur der Kirche selbst zu sorgen, statt eine längst errichtete
Kirche zu erneuern. In den Missionshäusern in Trois Epis und Baumgärtle
in Zentraleuropa, und in der Casa del Sol in Spanien, begannen die Missionare,
neben ihrem eher traditionellen Dienst bei Volksmissionen und Exerzitien auch
in Schulen zu unterrichten und Pfarreien zu übernehmen. Als Pius XII. Missionare
für Lateinamerika suchte, damit sie den Kommunismus und die Ausbreitung
protestantischer Sekten abwehrten, begaben sich die C.PP.S. in den Jahren 1940
und 1950 dorthin.
Damit will ich sagen, dass der Dienst am Wort sich wandelte, als die Verhältnisse
in Europa und in den beiden Amerika neue Formen annahmen. Damit das Wort Gottes
gehört werde, mussten unbedingt neue Formen der Verkündigung in Kraft
treten, ohne die uns C.PP.S. zuvor vertrauten aufzugeben.
Der
Dienst am Wort der C.PP.S. heute
Heute leben die C.PP.S. in etwa 18 Staaten. Die grosse Verschiedenheit einzelner
Gebiete in diesen Staaten verlangt einen anders gestalteten Dienst am Wort.
Wo in früherer Zeit die Pfarreien als Struktur der Kirche die Erneuerung
am dringendsten brauchten, sind sie heute vielleicht das beste Mittel für
ständig neue Formen des Dienstes am Wort. Der weltweite Flüchtlingsstrom
machte Kanada, Portugal, die Vereinigten Staaten und Italien zu wichtigen Zentren
des Dienstes. Das versöhnende Wort in kriegsgeschüttelten Ländern
wie Kroatien und Guinea-Bissau ist heute eine neue Herausforderung. Der Einsatz
für den "Dialog des Lebens", wie dieKirche es nennt, und der
"Dialog der sozialen Aktion" gehören für die C.PP.S. zum
wesentlichen Dienst in Indien, wo die direkte Verkündigung verboten ist.
Die Artikel von P. Schlachter und von P. Morgado anderswo in dieser Ausgabe
zeigen, dass die Jugend einen besonderen Platz einnimmt im Dienst am Wort in
unserer so rasch sich wandelnden Welt.
Bei der Überprüfung der Dienste der C.PP.S., wo sie seit langer Zeit
arbeitet, und beim Planen neuer Dienste, die sie übernehmen sollten, können
die zu Beginn in diesem Artikel gestellten Fragen hilfreich sein: Wo nimmt das
Wort heute Fleisch an? Und: Wie muss die Welt das Wort Gottes an einem bestimmten
Ort zu einer bestimmten Zeit hören?
Kirche und Kommunikation
Chesco Msaga, C.PP.S.
Einleitung
Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Geht also in alle Welt
und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich
euch aufgetraten habe (Mt 28, 18-20). Mit diesen Worten beauftragte unser Herr
Jesus Christus die ersten Jünger und damit die ganze Kirche, die Frohe
Botschaft von der Erlösung der ganzen Welt zu verkünden. Die Kirche
hat sich zu allen Zeiten bemüht, diesen göttlichen Auftrag unter den
verschiedenen Rassen und Völkern zu erfüllen. Dabei bediente sie sich
wichtiger Kommunikationsmittel.
Gott wollte sich von Anfang an mitteilen. Er tut es auf verschiedene Weise.
Auf eine ganz besondere Weise tritt Er in Beziehung mit den Menschen. Viele
Male und auf verschiedene Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen
durch die Propheten. In dieser Endzeit aber hat Er zu uns gesprochen durch den
Sohn (Heb 1, 1-2). Jesus macht Gottes Vollkommenheit sichtbar, indem er den
Willen des Vaters, sich mitzuteilen, erfüllt. Er sprach, wie kein Mensch
je vor ihm gesprochen hat (vgl. Joh 7,46). Er verkündete die echte Umkehr
seiner Zeitgenossen, damit sie an Seele und Leib das Ebenbild Gottes seien,
Ihm ähnlich.
Moderne
Kommunikation im Dienst des Evangeliums
Das letzte Jahrhundert erlebte eine ungeheure technische Entwicklung auf dem
Gebiet der Kommunikation, vor allem in den Massenmedien: Presse, Radio, Fernsehen,
Film und nun auch Internet. Dazu kommen die Multi-Media: audio-visuelle und
Mini-Radio-Kassetten, Video-Kassetten und CD usw. Information hat sich vervielfacht
und spezialisiert. Sie berichtet nicht nur die Ereignisse, sondern bietet auch
deren kritische Deutung an. Die Medien üben einen ungeheuren Einfluss aus
auf das Denken, Empfinden und Entscheiden der Menschen.
Die Kirche anerkennt die Notwendigkeit und die Wichtigkeit dieser modernen Kommunikationsmittel
für die wirksame Ausbreitung des Evangeliums. Christus hat uns aufgetragen,
das Evangelium bis an die Enden der Welt zu tragen. Dabei muss die Kirche die
wirksamsten Mittel einsetzen, die heute verfügbar sind. Nur so kann sie
die Fragen der Menschen von heute beantworten, ihr Interesse wecken und ihnen
helfen, in den armseligen menschlichen Worten die Botschaft der Rettung zu entdecken.
Papst Paul VI. erkannte die Bedeutung der Massenmedien, als er schrieb: "In
unserer von den Massenmedien geprägten Zeit, würde sich die Kirche
vor dem Herrn schuldig fühlen, wenn sie nicht diese machtvollen Mittel,
die die Menschen ständig vervollkommnen, in den Dienst der Verkündigung
des Geheimnisses unseres Glaubens stellen würde" (Evangelii nuntiandi,
45).
Darum sind alle Glieder der Kirche aufgerufen, einmütig dafür zu sorgen,
dass die sozialen Kommunikationsmittel in allen apostolischen Werken wirksam
eingersetzt werden, immer entsprechend den Bedürfnissen der Zeit und der
konkreten Situation (Inter mirifica, 13). Denn "es wäre schwierig
zu behaupten, den Auftrag Christi erfüllt zu haben, wenn wir die uns von
den modernen Medien zur Verfügung gestellten Mittel nicht einsetzen, damit
die Frohe Botschaft möglichst viele Menschen erreicht" (Communio et
progressio, 26).
Die grosse Wirkung der modernen Medien zeigte sich ganz besonders während
des Pontifikats Johannes Paul II. Durch die Medien, die von den Reisen, Ansprachen,
Enzykliken und anderen Schreiben des Papstes berichteten, konnten Millionen
Menschen innerhalb ganz kurzer Zeit erfahren, welche Stellung die Kirche zu
den vielen Fragen nimmt.
Die
gegenwärtige Situation in Afrika
In Afrika ist die Situation in Bezug auf den Gebrauch der Kommunikationsmittel
von Land zu Land verschieden. In einigen Staaten kontrolliert der Staat die
Medien, und die Kirche kann sich ihrer nicht bedienen. In anderen Gegenden,
auch wenn die gleiche Kontrolle in Kraft ist, hat die Kirche Zutritt zu den
Medien und kann einige Programme zu bestimmten Stunden senden. Andere Staaten
(vorläufig allerdings nur wenige) anerkennen die religiöse Freiheit
und das Recht, soziale Kommunikationsmittel einzusetzen. Aber die finanziellen
Mittel der Kirche sind beschränkt und der Mangel an Fachkräften macht
es unmöglich, diese Gelegenheiten voll wahr zu nehmen. Es gibt allerdings
viele kirchliche Fachleute in der Kommunikation, die in den letzten 20 Jahren
ausgebildet worden sind. Sie wurden aber in anderen apostolischen Werken eingesetzt.
Ausserdem übersieht man allgemein gern die vielen katholischen Laien, die
beruflich gut vorbereitet sind und ihre Gaben und Kräfte gern einsetzen
würden, wenn man es ihnen erlauben oder sie dazu ermutigen würde.
Die Medien dürfen nicht nur dafür eingesetzt werden, die christliche
Botschaft und die gesunde Lehre der Kirche auszubreiten. Diese Botschaft muss
in die neue Kultur integriert werden, welche die moderne Kommunikation geschaffen
hat. Das verlangt einen Wandel im Verhalten der Kirche, damit die Medien den
Menschen und den Kulturen helfen, mit der Welt von heute und der Entwicklung
der Menschen in Dialog zu treten.
Die heutigen Afrikaner haben Zugang zu verschiedenen Massenmedien, wenn auch
nicht alle im gleichen Mass. Zeitungen sind nicht sehr wichtig, weil viele Afrikaner
weder lesen noch schreiben können. So nützen ihnen die guten Artikel
dort wenig. Wer sie aber liest, gehört oft zur Elite der Gesellschaft.
Sie erlassen die Vorschriften, die das Leben der übrigen Bewohner beeinflussen.
So wird diese Elite, wenn auch unbewusst, zu möglichen Verkündern
des Evangeliums.
Television gilt auf dem Land immer noch als Luxus, den sich nur die Reichen
leisten können. In den Städten ist es anders. Aber auch hier übt
sie Einfluss auf die Elite und wirkt sich möglicherweise auf die Gestaltung
des öffentlichen Lebens aus.
Radio ist das meist verbreitete moderne Kommunikationsmittel. Den Preis für
einen kleinen Transistor kann bald auch der durchschnittliche Dorfbewohner aufbringen.
Was katholische Sendungen betrifft, haben nur wenige Staaten ihren eigenen katholischen
Sender. In Tanzania gibt es z.B. nur vier katholische Radiosender.
Weil der Internationale Währungsfonds und die Weltbank Druck ausgeübt
haben und in Osteuropa der Kommunismus zusammengebrochen ist, besteht jetzt
freierer Zutritt zu den elektronischen Medien auch für Private. Das wurde
wenigstens in vielen Staaten in die Verfassung aufgenommen. Aufgrund dieser
Öffnung errichtet die Kirche in vielen Staaten Afrikas Radiosender. UNDA,
die internationale katholische Vereinigung für soziale Kommunikation, forderte
die Kirche auf, Radiosender zu errichten. In einigen Fällen half sie sogar,
Mittel für solche Projekte zu suchen.
Die
Kirche und die Massenmedien heute
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche erkannt, wie wichtig es
ist, alle verfügbaren Kommunikationsmittel einzusetzen, um die Frohbotschaft
zu verkünden. Vor allem wurde sich die Kirche immer klarer bewusst, welchen
Einfluss die Massenmedien in ihrer Sendung haben können. In Evangelii nuntiandi,
z.B. werden die Massenmedien als eine grenzenlos wachsende Möglichkeit
gesehen, das Wort Gottes auszubreiten. Durch sie kann die Frohe Botschaft Millionen
Menschen erreichen. Aber man darf bei den Sendungen in den Massenmedien nie
vergessen, wie wichtig dabei die Qualität ist: "durch sie (Massenmedien)
sollte die Botschaft des Evangeliums viele Menschen erreichen. Die Art der Verkündigung
sollte das Gewissen jedes Einzelnen treffen, in seinem Herzen so Wurzeln fassen,
als gelte die Botschaft nur ihm, so dass alle persönlichen Fähigkeiten
angesprochen werden und den Menschen veranlassen, die Botschaft vorbehaltlos
anzunehmen und sich für sie einzusetzen" (46).
Das gilt jenen, die berufen sind, die Sendungen vorzubereiten und auszustrahlen.
Ich spreche jetzt als Kommunikator und als Priester. Der Grundsatz der Inkarnation
der Kommunikation verlangt unbedingt das "Zeugnis des Lebens". Als
Verkünder muss der Priester ein echtes und verständliches Zeichen
der Person und der Botschaft sein, die er verkündet. Nur wer das Wort Gottes
im eigenen Leben inkarniert, kann es glaubwürdig verkünden. Gefragt
ist eine lebendige Beziehung und tiefgreifende Übereinstimmung von Verkünder
und Botschaft. Nur so kann der Hörer/die Hörerin feststellen, dass
der Verkünder das, was er verkündet, selber erfahren hat.
In Evangelii nuntiandi betont Papst Paul VI., dass das Zeugnis des Lebens die
erste Form der Evangelisierung ist. Er sagte, dass die heutigen Menschen eher
auf Zeugen als auf Lehrer hören. Wenn sie auf Lehrer hören, so deshalb,
weil diese auch Zeugen sind (41). Was Paul VI. allgemein von der Kirche sagt,
gilt auf besondere Weise für den Priester als den wichtigsten Verkünder
in der Pfarrei. Er gibt der eigenen Pfarrei und der ganzen Welt zuerst das Zeugnis
durch sein Leben: das Zeugnis der Armut und Unabhängigkeit, der Freiheit
gegenüber den Mächten dieser Welt - kurz, das Zeugnis der Heiligkeit
(42). Nirgends sonst ist ein solches Zeugnis wahrnehmbarer als in einer kleinen
übersehbaren Pfarrei, wo die Menschen Seite an Seite mit ihren Priestern
leben.
Diese Nähe des Priesters zu seinen Pfarreiangehörigen sollte ihm bewusst
machen, was seine Leute von ihm erwarten, und welche Grenzen sie selber haben.Wegen
der "Gruppenwirkung" einer Pfarrei muss der Priester wissen, was seine
Leute in den Massenmedien lesen, sehen und hören, weil diese Informationen
Teil ihres Alltagslebens werden.
Ausklang
Information und Kommunikation verändern drastisch die Welt, in der wir
leben. Statt Gemeinsamkeit und Solidarität zu fördern, scheint die
öffentliche Kommunikation heute eher Spaltung zu fördern, den Abgrund
zwischen Arm und Reich zu vertiefen, die Unterdrückung und und die Missstände
zu zementieren. Sie tut es oft durch Manipulation, indem sie die Machtsysteme
stützt und die Massen zum Schweigen zwingt. Dennoch bleibt die Kommunikation
ein grosses Geschenk Gottes an die Menschheit. Ohne sie könnten wir nicht
echte Menschen sein und Gottes Ebenbildlichkeit widerspiegeln (vgl. Gen 1,26).
Wir könnten uns auch nicht freuen, in Gruppen, Gemeinschaften und Gesellschaften
zu leben, wo verschiedene Kulturen und Lebensformen vertreten sind.
Evangelisierung ist ein Prozess des Mitteilens. Heute ist es undenkbar, dass
irgendein Programm der Evangelisierung auf die sozialen Kommunikationsmittel
verzichtet. Diese Mittel in Dienst nehmen ist berechtigt, ja dringend notwendig.
Es ist berechtigt, weil die Medien einen unleugbaren Einfluss haben auf das
heutige Gesellschaftsleben. Sie schaffen tatsächlich eine neue Kultur und
sind so Träger neuer kultureller Modelle. Sie beeinflussen Einzelne und
die ganze Bevölkerung. Wenn die Kirche auf diese Medien verzichten würde,
wäre sie um ein machtvolles Mittel der Verkündigung der Botschaft
ärmer.
Es ist dringend, weil es keinen Ersatz gibt für diese Medien, die Frohe
Botschaft und die gesunde Lehre der Kirche zu vermitteln. Wenn die Kirche auf
diese Mittel verzichten würde, wäre sie in Gefahr, den bereits bestehenden
Einfluss auf die Massen zu verlieren, während die Politiker und andere
religiöse Gruppen wissen, wie sie sie ausnützen können.
Das Wort Gottes in einer
säkularisierten
Gesellschaft verkündigen
Alois Schlachter, C.PP.S.
Zwischen 1993 und 1999 war ich an insgesamt 23 Gemeindemissionen beteiligt, 19 davon in Nord- und Süddeutschland, 3 in Österreich und eine in Italien. Fünf dieser Missionen waren "C.PP.S.-Missionen", bei den übrigen arbeitete ich mit anderen Ordensleuten (Redemptoristen, Dominikaner) zusammen. Ich war nie ausschließlich Gemeindemissionar, sondern tat diesen Dienst neben meiner Arbeit zunächst als Kaplan, dann als Jugend- und schließlich als Wallfahrtsseelsorger.
Die
Herausforderungen einer säkularisierten Gesellschaft
Welche "Herausforderungen" habe ich nun in diesen Jahren wahrgenommen?
Es fängt schlicht und einfach damit an, dass wir die Menschen in den Gemeinden
einladen, während der Mission möglichst oft, am besten täglich,
den Gottesdienst mit Predigt mitzufeiern, bzw. an den anderen Veranstaltungen
der Mission teilzunehmen. Das kann die Denkmuster "guter Christen",
die vor allem an die Erfüllung ihrer "Sonntagspflicht" denken,
zunächst einmal durcheinander bringen.
Realistischerweise muss ich eingestehen, dass wir während einer Mission
vorwiegend die Kirchgänger erreichen, weniger die sogenannten "Fernstehenden".
Zu einem etwas direkteren Kontakt mit der "säkularisierten Gesellschaft"
kommt es meiner Ansicht nach vor allem in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen.
Wenn es in der Gemeinde einen Kindergarten gibt, besuche ich dort nicht nur
die Kinder selbst, sondern lade auch zu einem Elternabend dorthin ein, meist
mit dem Thema "Wenn Kinder nach Gott fragen...". Solch ein Elternabend
ist immer gut besucht und über die Fragen der Kinder sind wir schnell bei
den eigenen, "erwachsenen" Glaubensfragen und -problemen. Da kam es
auch schon vor, dass eine aus der ehemaligen DDR stammende Frau erzählen
konnte, wie schwer sie sich mit einer "Erziehung im bzw. zum Glauben"
tut, weil sie selber das nicht gelernt hat und ihr Mann gleichgültig bis
ablehnend ist.
Gerne gehe ich auch in die Schule(n), wenn es diese in der Gemeinde gibt, Und
das bedeutet in gewissem Sinn eine Herausforderung für die Schülerinnen
und Schüler, einem solchen Menschen, einem "Pater", einmal persönlich
zu begegnen. Viele Kinder und Jugendliche bei uns kennen inzwischen einen Priester
oder einen Ordenschristen nur noch aus Kino- oder Fernsehfilmen, bzw. aus der
Werbung für Bier, Pizza oder sonst etwas... Es geht mir nicht darum, mit
meinem Lebensentwurf "hausieren" zu gehen, aber noch vor jedem gesprochenen
Wort ist dieser für viele eine Provokation und löst Fragen aus.
Eine
zweifache Herausforderung: Sowohl für den Kopf als auch fürs Herz
Damit möchte ich auf das Predigen, die direkte und unmittelbare Verkündigung
des Wortes Gottes, zu sprechen kommen. Hierbei gibt es eine "doppelte Herausforderung
in der säkularisierten Gesellschaft": weil die Menschen in unseren
Breiten am ehesten durch ein existentielles Zeugnis herausgefordert werden,
sind wir Missionare und Missionarinnen zu einem eben solchen herausgefordert.
Auch mir ist bewusst, dass vielerorts das Glaubenswissen fehlt, doch trotzdem
habe ich bei Zusammenkünften von Gemeindemissionaren aus verschiedenen
Ordensgemeinschaften in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen,
dass eine Predigt weniger Informationsweitergabe, denn ein lebendiges Zeugnis
sein muss. Was Papst Paul Vl. am 2. Oktober 1974 an die Mitglieder des Laienrates
sagte und dann in seine Enzyklika Evangelii nuntiandi (8.12.1975) aufnahm, "Der
heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf
Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind", das ist ein vielzitiertes
Wort, aber es ist noch nicht von den Köpfen in die Herzen ("der Gelehrten")
hinabgerutscht.
Ganz konkret ist mir das bei einer Mission Ende vergangenen Jahres wieder deutlich
geworden: für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten wir einen
Themenabend "Glaube - was, du glaubst auch?" vorbereitet und dies
in Form einer Podiumsdiskussion, bzw. Talkshow. Mit mir auf dem Podium saßen
der evangelische Pfarrer der Gemeinde, ein katholischer Laie von einem Evangelisationszentrum,
eine Journalistin, die sich als Christin bezeichnete und drei Mitglieder von
Freikirchen. Wenn letztere von ihrem konkreten Leben mit Jesus erzählten,
dann schien mir die Aufmerksamkeit der jungen Zuhörer am größten.
Und mir fiel Karl Rahners Satz ein: "Der Christ von morgen wird ein Mystiker
sein oder er wird nicht mehr sein". Es geht nicht nur darum, etwas zu wissen,
sondern eine Erfahrung gemacht zu haben oder zu machen. Und an dieser Stelle
wird neu die Definition des Missionars durch den hl. Kaspar in seinem zehnten
Exerzitienrundbrief (1836) für mich lebendig: "Wer ist also ein Missionar?
Er ist ein Gesandter Gottes, 'der seinem Volk die Erkenntnis des Heiles bringt'
(vgl.Lk 1,77)". Das "Heil" ist umfassend, das ist nicht nur an
den Kopf gerichtet...
Dies hat unter anderem auch ganz praktische Konsequenzen: zum einen ist auch
bei der Wortverkündigung auf Sinnenhaftigkeit zu achten, der hl. Kaspar
hat das in seiner Zeit sehr bewusst getan. Er lässt sich nicht einfach
kopieren, doch auch in unseren Tagen ist es wichtig, die Sinne anzusprechen.
Wenn wir - gerade während einer Mission - davon sprechen, den "Glauben
zu feiern", dann muss dass auch zu spüren sein.
In der Arbeit mit den Kindern spielt das noch einmal eine besondere Rolle: bei
den Kindermissionsnachmittagen achte ich immer darauf, dass viel Zeit für
ein kreatives Element da ist, entweder bastelt jedes Kind etwas für sich
oder die Kinder fertigen in Kleingruppen ein "Kunstwerk" an. Dabei
werden nicht nur die Sinne angesprochen, sondern es kann auch der Beginn davon
sein, eine "Erfahrung zu machen", wenigstens versuche ich immer dafür
zu sensibilisieren.
Das
gemeinsame Zeugnis der Missionare
Abschließend möchte ich auf einen besonders sensiblen Aspekt des
Zeugnisses für uns Missionare und Missionarinnen heute hinweisen: es fällt
auf und macht Eindruck, wenn unser Zeugnis ein gemeinsames ist, wahrscheinlich
hängt das mit einem weit verbreiteten Individualismus in unserer Kultur
zusammen. Deswegen besteht für mich persönlich eine der größten
Herausforderungen der Verkündigung des Wortes Gottes in einer säkularisierten
Gesellschaft darin, während einer Mission vor allem auf die anderen im
Missions-Team zu achten und auf die Gemeinschaft unter uns. Nicht selten in
den vergangenen Jahren haben mich Menschen in den Gemeinden genau darauf hin
angesprochen, vor allem wenn ich mit Ordensleuten aus anderen Orden zusammen
arbeitete, wie das käme, dass wir uns so gut verstehen.
Ein besonderes Augenmerk auf diese Gemeinschaft untereinander habe ich, wenn
ich selbst die Mission in einer Gemeinde leite: dann sind mir die internen Zusammenkünfte
zu Gebet und Austausch mindestens genauso wichtig wie die Gestaltung irgendeiner
Missionsveranstaltung. Bzw. glaube ich daran, dass es unter Umständen genauso
wichtig für die Mission sein kann, wenn ich einen Mitbruder, dem ein Stück
Zahn abgebrochen ist, zum Zahnarzt in den nächsten Ort begleite, als ob
ich eine Predigt noch einmal überdenke oder einen Kindermissionsnachmittag
vorbereite. Im Artikel 49 der Gebräuchesammlung des polnischen Missionshauses
der Missionare vom Kostbaren Blut (Tschenstochau 1992) heißt es: "Nicht
derjenige ist der größte Missionar, der am meisten spricht oder auf
Reisen ist, sondern derjenige, der am meisten liebt".
Mit
dem Strom schwimmen: Das Leben eines Wander-Missionars
Al Naseman, C.PP.S.
Ein neuerer Trickfilm zeigt einen Mann in der Hölle. Der Titel heisst:
"Mein Motto war: Mit dem Strom schwimmen'. Ich hatte aber keine Ahnung,
dass der Strom hier münden würde". Unser Motto als CPPS heisst
auch "Mit dem Strom schwimmen" - aber für uns ist es der Leben
spendende Strom vom Throne Gottes und des Lammes.
Und er zeigte mit einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall. Er
geht vom Thron Gottes und des Lammes aus. Zwischen der Strasse der Stadt und
dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal
tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume
dienen zur Heilung der Völker (Offb 22,1-2).
Eine Möglichkeit, diesen Strom zu deuten, ist unsere CPPS-Verkündigung.
Ich erlebte sie in meiner Jugend, als CPPS-Missionare in meine Pfarrei in Dayton,
Ohio, kamen. Ihre Predigten sprühten Funken. Für mich ist bis heute
eine "geistliche Medizin", einen Missionar predigen zu hören.
Jeder ist ein glühendes Steinchen in unserem gemeinsamen Mosaik, das Gottes
überströmende Liebe darstellt.
Die Missionare rissen mich mit wie ein reissender Strom. Nach meiner Priesterweihe
1967 gehörten meine ersten Jahre als CPPS der Ausbildung und Berufswerbung.
Das war meine erste Zeit im Dienst des Wortes. Danach war ich seit 1985 ein
Wanderprediger. Man sagt, ein Bild sei 1000 Worte wert. So sehr ich die Kunst
liebe, muss ich zugeben, dass auch das Gegenteil stimmt: 1000 Worte sind ein
Bild wert.
Das
Wort weiter reichen
Stellt euch einen Athleten vor, der immer ausserhalb seiner Heimat gespielt
hat. Das muss eine grosse Herausforderung sein. In meinem Dienst als CPPS-Missionar
bin ich ständig unterwegs. Trotzdem habe ich immer das Gefühl, dass
ich mit dem Wort Gottes die Vorteile der Heimat geniesse. Jesus hat gesagt,
dass wir, wenn wir um des Evangeliums willen die Heimat verlassen, unterwegs
hundertfache Heimat finden werden.
Wir bleiben nie lange zu Hause. Wenn der Dienst in der Pfarrei einen Roman liefern
könnte, gäbe das Predigen in der Volksmission oder in den Exerzitien
eher eine Kurzgeschichte. Wenn man die Pfarrei mit einer vollen Mahlzeit vergleichen
könnte, wäre die Volksmission nur ein einfacher Imbiss. Ist der Pfarreidienst
ein Mond, dann ist die Mission ein Komet, vielleicht in Bewegung, aber immer
intensiv und hell.
Das
mit froher Botschaft voll bepackte Auto
Für eine Volksmission erwarten Sie vielleicht, dass ich die üblichen
Dinge einpacke: Socken, Unterwäsche, Hosen, und die Priesterausrüstung.
Ich fülle meinen Wagen auch mit Bibeln, Büchern, Bannern mit Stangen,
die ich aufstelle, Flugblätter, Kleinschriften, Puppen und Masken, Spielanleitungen,
Musikinstrumente, Rosenkränze, Poster, Medaillen und wenn möglich
mein eigenes Jesusbild, das 1,6 auf 2,2 m gross ist. Jesus lehrte seine ersten
Jünger, nichts auf ihre Reise mitzunehmen ausser einem Wanderstab und Sandalen.
In der heutigen Sprache könnte das vielleicht heissen: ein Lenkrad und
Ersatzreifen (und ein Auto dazwischen), um Jesu Forderung gerecht zu werden.
Was sollen all die andern Dinge, die ich mitschleppe?
Zum Glück entdeckte ich einen Bericht, wie Kaspar seine Missionen durchführte.
In der Gehorsamen Rebellin, der Lebensgeschichte der seligen Maria De Mattias,
ist zu lesen: "Kanonikus Kaspar kam an der Spitze einer echten Karawane
von Männern und Ausrüstung an. Seine Methode unterschied sich von
den üblichen. Jede Einzelheit war genau geplant, der geistliche Inhalt
äusserlich versinnbildet."
Vielleicht gleiche ich geistig , ohne es zuvor gewusst zu haben, Kaspar auf
diesem Gebiet.
Ketchup im Kühlschrank und Klapperschlange in
der Garage
Der hl. Paulus sagt im Philipperbrief 4, 12: "Ich weiss Entbehrungen zu
ertragen und kann im Überfluss leben. In jedes und allels bin ich eingeweiht
"
Diese Lektion lernen wir Wanderprediger ununterbrochen
Einmal kam ich in eine einsame Gegend auf der Hochebene. Der Pfarrer ist für
eine Woche abgereist. Das ist schon richtig, denn solche Pfarrer finden selten
eine Stellvertretung, um für eine Weile wegzugehen. Aber er hinterliess
keine Lebensmittel. Im Kühlschr ank fand ich nur eine Flasche mit bereits
abgelaufenem Ketchup.
Kurz darauf sass ich zu Beginn der Mission im kreisenden Restaurant eines 32-stöckigen
Hochhauses. Auf der Speisekarte stand kein Preis, und der Pfarrer mit drei seiner
Leute bewirtete mich königlich.
In einer Pfarrei im Westen der USA öffnete ich eines Tages die Garage und
sah, dass eine Klapperschlange den Platz bereits eingenommen hatte.
In Westvirginia schlief ich in einem grossen alten Pfarrhaus im Viktoria-Stil.
Die Türe liess sich nicht mehr gut schliessen. Während der Nacht stiess
der riesengrosse Hund des Pfarrers die angelehnte Türe auf und sprang auf
mein Bett. Am Morgen fragte mich der Pfarrer, wie ich geschlafen habe. Ich erwähnte
den Hund. "Oh, wenn niemand da ist, gehört das Bett dem Hund
"
Für
Götter gehalten
Als die Menge sah, was Barnabas und Paulus getan hatten, begann sie zu schreien
und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen
Barnabas und Paulus riefen: Männer, was tut ihr? Wir sind nur Menschen
von gleicher Art wie ihr. Wir bringen euch die frohe Botschaft , damit ihr euch
von diesen nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott bekehrt (Apg 14, 11-15).
Wir Missionare werden oft gelobt: "Sie wären ein wunderbarer Vater".
- "Sie sind ein so liebenswürdiger Kaspar". - "Sie haben
eine wunderbare Stimme". Es besteht die Gefahr, dass wir uns auf uns selbst
konzentrieren statt auf Jesus, der uns all das gibt.
Als ich einmal während der Volksmission einen Kindergarten besuchte, begann
ich zu stark auf mich zu hören, während ich den Kindern eine meiner
Lieblingsgeschichten erzählte. Ein kleines Mädchen sass unbeweglich
da und wandte keinen Blick von mir ab. Sobald ich fertig war, schnellte ihre
Hand in die Höhe, um eine Frage zu stellen. "Das wird spannend",
schmeichelte ich mir selbst. Dann sagte sie: "Warum sind Ihre Zähne
so krumm?" Sie brachte mich auf den Boden zurück.
Ich bekomme Briefe. Ein Pfarreiangehöriger in Missouri schrieb: "Ich
möchte Ihnen sagen, dass Sie mein Leben und das Leben meiner drei Kinder
verwandelt haben. Mein Sohn, der die 5. Klasse besucht, wollte zum Gottesdienst
am Abend gehen. Alle drei sprachen während des Abendessens nur von Ihrem
Besuch in der Schule".
Aus Pennsylvanien: "Ich gehe nie zum Exerzitienmeister, um mit ihm zu sprechen,
weil ich grosse Hemmungen habe, über mich und meine Gefühle zu reden.
Aber Sie waren so menschlich und freundlich, dass ich den Durchbruch schaffte
und es wagte".
Aus Indiana: Ein Mann wie Goliath gab zu, dass er es genoss, in seiner Bar Disziplin
zu halten. Aber während der Volksmission stellte er fest, dass er seinem
jungen Sohn etwas Besseres hinterlassen möchte. Er gab seinen Beruf auf,
ging wieder in die Kirche und wurde schliesslsich der Mann, der die Leute an
der Kirchentüre begrüsste!
Die Worte bei Markus 4, 26-27 fassen die Erfolge zusammen, die wir Wander-Missionare
auf unseren Wegen erfahren: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann
Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und es wird Tag und der Same keimt und wächst, und der Mann
weiss nicht wie.
Der
Dienst des Abschiednehmens
Nach "Mama, Papa und Nein" gehört "Bye, bye" zu den
ersten Wörtern, die ein Kind lernt. Es ist gut, dass "Bye, bye"
unser letztes Wort ist. Dazwischen ist unser Leben eine ununterbrochene Kette
von Abschieden: Abschied von zu Hause, von der Kindheit, von der Jugend, von
den Plänen, vom der Heimat, von mancher Bequemlichkeit, von der Gesundheit,
vielleicht vom Leben.
William Shakespeare meint, dass "Abschied nehmen ein süsser Schmerz"
ist. Wenn das stimmt, erleben die Missionare eine Überfülle davon,
weil ein Misssionar häufiger Abschied nimmt als die meisten Menschen.
Der Schmerz kann wirklich süss sein. Beim Gedanken anPaulus denken wir
kaum an Küsse und Umarmungen, aber er selber berichtet von einem solchen
Abschied in Apg 20, 36-38:
Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Und alle brachen
in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küssten ihn. Am meisten
schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen.
Dann begleiteten sie ihn zum Schiff.
Die Szene wiederholt sich immer wieder im Leben eines Wandermissionars. Während
einer Volksmission imSüden der USA erblickte ich unter den Zuhörern
einen sehr verschlossenen Mann. Während der ganzen Abendveranstaltung machte
er ein finsteres Gesicht, ebenso am zweiten Abend. Ich hörte ihn am dritten
Abend sagen, wie abstossend es auf ihn wirke, wenn die Leute nach dem Vortrag
einander umarmen. Am vierten Abend schaute er noch verstimmter drein. Aber am
letzten Abend kam er nach vorne zu uns und verkündete: "Ich kann Ihnen
gar nicht sagen, wie wichtig diese Mission für mich war. Und ich weiss
keine bessere Form, Ihnen zu danken, als euch alle ganz fest zu umarmen".
Und er tat es unter Tränen.
Die Liebe ist nie so stark, wie wenn wir Abschied nehmen müssen. Ist nicht
gerade diese Liebe einer der Ecksteine der Blut-Christi-Spiritualität?
Diese Liebe versuchen wir Missionare durch unsere Predigt zu vermitteln, einen
Strom lebendigen Wassers. Der Strom fliesst weiter.
Das Wort Gottes in der Jugendarbeit
Jose Luis Morgado Ferreira, C.PP.S.
Einführung
Es ist nicht schwer über die Jugend und Jugendarbeit zu sprechen. Es gibt eine Menge sehr verschiedener Literatur darüber, angefangen von den Statistiken bis zu den Überlegungen zur Jugendarbeit als solcher und zur Einstellung der Jugend der Kirche gegenüber. Schwieriger ist es, im Zusammenhang mit dem hier vorgelegten Thema darüber zu sprechen. Ich will versuchen, von den Erfahrungen mit der Jugend zu berichten, die mich während der letzten Jahre am meisten motiviert haben. Die Erfahrung ist meine wichtigste Quelle, während ich andere Autoren und die Bibel nur da und dort zitieren werde. Ich weiss, dass der "Kelch des neuen Bundes" von Menschen gelesen wird, die in kirchlichen und kulturellen Wirklichkeiten leben, die sich von der meinen in Portugal unterscheiden. Deswegen möchte ich einen kurzen Überblick geben, mit welcher Jugend wir arbeiten.. Anschliessend nenne ich dann sechs Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Daran schliesst sich eine kurze Schlussfolgerung.
Portugiesische
Jugend und Kirche
Eine kürzlich erstellte Studie berichtet, dass sich 28,9% aller Jugendlichen
zu den praktizierenden Katholiken zählen. 47,7% sagten, dass sie nicht
praktizierende Katholiken sind. 12.8% erklärten, sie seien Atheisten, und
10.6% sagten, dass sie zu keiner der obigen Gruppen gehören. Etwa 76% der
Jugendlichen in Portugal halten sich also für Katholiken, obwohl weniger
als 30% den Glauben leben.
Diese Statistiken
zeigen, dass unsere Verkündigung einen ziemlich kleinen Prozentsatz der
Jugend erreicht. Dennoch glaube ich zum Teil auf Grund dieser Zahlen, dass in
Portugal die Jugend ein religiöses Erwachen erlebt, dass sie nach Gott
fragt. Man spricht viel über die Säkularisierung und über die
Ablehnung Gottes, über das langsame Sterben der Kirche wegen Mangel an
Initiativen, und dass sich die Kirche isoliert und der modernen Gesellschaft
fremd wird. Sie erreiche nur die ältere Generation, die die traditionelle
Frömmigkeit liebt.
Dennoch glaube ich, dass die Jugend immer mehr Gott sucht. Das hängt mit
ihrer entschlossenen Ablehnung einer Welt ab, die ihnen Wegweisungen anbietet,
die sie nicht befriedigen, weil sie sie ängstigen und verwirren. Das Leben
ohne bleibende Werte öffnet keinen Weg zum Sinn des Lebens, zum Glück
und zum Heil. Aus all diesen Gründen sucht die Jugend die Kirche und Gott.
Es sind also nicht die gleichen Gründe wie früher. Die Jugend ist
offen für neue Möglichkeiten und hofft auf eine Antwort auf ihre Sorgen
und Träume für die Zukunft.
Deswegen tragen
Bewegungen, die immer stärker aus dem Herzen der Kirche aufblühen,
sehr positiv zur Jugendarbeit in der Pfarrei und auf Bistumsebene bei. Auf beiden
Ebenen ist die Jugendarbeit gut geplant und durchdacht. Dennoch vermisst man
manchmal noch die Strukturen und die Mittel, die gesteckten Ziele erfolgreich
zu erreichen.
Das ist eine Herausforderung für die Jugendarbeit. Man denke z.B. an die
Art, wie die Jugend in manchen Pfarreien willkommen geheissen wird.
Unter den Jugendlichen von Portugal kann man heute verschiedene Einstellungen
beobachten. Zuerst kann man von Jugendlichen sprechen, die der Kirche und dem
Glauben sehr fern stehen. Das ist die grösste Gruppe. Andere Jugendliche
sind offen für religiöse Erfahrungen, bereit zu einem gewissen Mitmachen,
aber sie sind nicht bereit, sich ganz einzusetzen. Eine dritte Gruppe Jugendlicher
praktiziert zwar ihren Glauben, aber ohne grosse Begeisterung. Sie tun es nur,
weil es so üblich ist. Ihr Leben als Christen ist mehr eine Gewohnheit
als ein bewusster Ausdruck ihrer Sehnsucht nach Gott und nach dem Kommen seines
Reiches. Sie sind Jugendliche ohne echte christliche Reife. Dazu gehört
ein grosser Teil der Jugend, mit der wir arbeiten. Dann kommen als vierte Gruppe
Jugendliche, die einsatzbereit sind. Diese berechtigen zweifellos zur Hoffnung.
Diese Jugendlichen verstehen den Glauben als ein Geschenk.
Herausforderungen
Wenn wir von Herausforderungen beim Verkünden des Wortes Gottes sprechen,
denke ich, dass wir uns bewusst sein müssen, zu welchen Jugendlichen wir
sprechen. Denn jede Gruppe fordert uns auf je eigene Art heraus. Um das Gebiet
hier zu begrenzen, will ich Einiges darüber sagen, mit was für Jugendlichen
wir C.PP.S. in Portugal arbeiten: Es sind Jugendliche, die eingespannt sind
in traditionelle Arbeiten in unserer Pfarrei; manche Jugendliche stehen der
Kirche fern, aber sie sind getauft worden und gehören zu Familien, die
ihren Glauben regelmässig praktizieren.
1. Mir scheint, dass die erste Herausforderung darin besteht, die Verkündigung des Wortes Gottes in einen Prozess der Erziehung im Glauben zu integrieren. Heute kann man nicht einfach predigen, man muss die Dinge ganzheitlich vorlegen. Die Jugend muss begreifen, dass der Glaube ein Geschenk ist, das sie durch das Wort nährt. Unglücklicherweise konzentrierte sich die Jugendarbeit meist auf die Firmvorbereitung. Das führt zum Missverständnis. Man nimmt nur deshalb an der Katechese teil, um das Sakrament zu empfangen. Folge davon ist, dass Jugendliche, die sich so vorbereiten, nach dem Empfang des Sakramentes der Firmung die religiöse Praxis aufgeben. Der Prozesss der Glaubenserziehung muss seinem Wesen nach Evangelisierung sein.
2. Eine zweite Herausforderung besteht darin, dass wir in den Jugendlichen eine innere Bereitschaft schaffen, sich das Wort persönlich zu eigen zu machen, d.h. die Trennung von Glaube und Leben zu überwinden. Glaube und Leben sind zwei Dimensionen der gleichen Wirklichkeit, die im Menschen eins werden müssen. In der genannten Trennung scheint das Wort Gottes nur wichtig, wenn man es hört, studiert oder feiert. Die herausfordernde Frage heisst hier: Ist das Wort Gottes ein Anhängsel zur Katechese und zur Verkündigung, oder ist es eine echte geistliche Nahrung?
3. Ich denke, dass eine dritte Herausforderung darin liegt, wie das Neue des Wortes Gottes die Jugend treffen kann. Es gehört zum Plan des Heiligen Geistes, dass das Leben spendende Wort Gottes immer etwas Neues bewirkt. Es ist das gleiche Wort, von dem Paulus sagt, dass es in unser Herz eingeschrieben ist wenn wir es lesen und danach leben Es ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigenGottes (vgl. 2 Cor 3, 3-6). Die Jugend muss gleichsam ein Brief Christi sein, indem sie das Wort Gottes als etwas Neues und Wichtiges versteht und feiert. Ein Wort für heute und auch für morgen. Eine Zeitschrift, die alle zwei Wochen oder einmal im Jahr erscheint, spielt im Leben der Jugend heute keine Rolle. Es ist für sie toter Buchstabe, weil es von Dingen spricht, die vielleicht damals wichtig waren. Das Wort Gottes ist etwas Zeitgemässes, neu und überraschend.
4. Eine vierte Herausforderung hängt eng mit der vorausgehenden zusammen. Es ist die Tatsache, dass das Wort Gottes auf etwas Endgültiges hinweist, auf das Heil. Das Wort rettet. Als solches bewirkt es im Jugendlichen Umkehr, einen inneren Wandel, eine Bereitschaft für dieses Wort. Die Jugend, die in ihren Sorgen nach Glück, Sicherheit und Verwurzelung sucht, kann im Wort Gottes den heiligen Ort finden, wo sie genährt wird, und den Sinn ihres Lebens entdeckt.. Das Wort Gottes kann ihrem Leben Sinn vermitteln und sie so glücklich machen.
5. Wenn wir von den Herausforderungen bei der Verkündigung des Wortes Gottes in der Jugendarbeit sprechen, dürfen wir den nicht vergessen, der verkündet, der das Wort Gottes weiterreicht. In diesem Zusammenhang ist meiner Ansicht nach zweifellos das Zeugnis des Verkünders die grösste Herausforderung. Der Verkünder muss das Wort, das verkündet wird, treu bezeugen.. Er muss auch Männer und Frauen nennen, deren Leben vom Wort Gottes genährt und erleuchtet wurde. Der hl. Kaspar hat uns in seinen Briefen einige Herausforderungen auf diesem Gebiet hinterlassen. In einem Brief vom Mai 1832 an den Missionar Don Rafaelle Rosati schrieb er: "Wohin immer du gehst, predige durch dein Beispiel und sei in allem sorgfältig" (Nr. 2340). Der hl. Kaspar sagt uns auch, dass der Verkünder in der Tugend fest verwurzelt sein muss; er müsse über entsprechende Kenntnis verfügen und dürfe sein Herz an gar nichts hängen (Nr. 1241, an Papst Leo XII., 29. Juli 1825). Kaum etwas beeindruckt die Jugend so tief, wie die Entdeckung, dass das Leben des Verkünders mit seiner Verkündigung übereinstimmt. Er kann zu den Jugendlichen (und zu niemand sonst) sagen: "Tu, was ich sage, aber nicht, was ich tue." Die Jugend braucht Vorbilder für das Leben.
6. Zuletzt möchte ich eine Herausforderung in Bezug auf die Hl. Schrift nennen. Die Bibel muss als "das Buch" des Heiles vorgestellt werden, nicht als ein zusätzlicher Text oder als ein Handbuch, das man nach Lust und Laune des Augenblicks zu Rate ziehen kann. Gottes Wort ist die Schrift, die uns die Offenbarung des Geheimnisses Christi vermittelt.
Schlusswort
Mit diesen Ueberlegungen wollte ich einige Herausforderungen mit euch teilen,
die mir gegenwärtig für die Arbeit mit euch wichtig scheinen. Ich
bin sicher, dass sie nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen (wer kann
sie schon ausschöpfen?). Jeder könnte solche hinzufügen, die
ihm geeignet scheinen, und so die angebotene Ueberlegung vervollständigen.
Ich habe mich sehr bemüht, keine Autoren oder Dokumente zu zitieren, weil
ich, wie ich zu Beginn gesagt habe, aus meiner Erfahrung geschöpft habe.
Wir alle wissen, dass es in der Jugendarbeit keine einfachen Rezepte gibt. Dagegen
ist es leicht, Theorie zu erfinden. Aus diesem Grund ist die Jugendarbeit an
sich schon eine Herausforderung an uns alle auch als Kostbar-Blut-Missionare.
Das ist aber der Titel eines anderen Artikels.
Ich schliesse mit einem Bibelwort, der Frage, die in den Herzen von Andreas
und Johannes aufstieg: "Meister, wo wohnst du?" (Joh 1,36-39), und
der Antwort, die ihnen Jesus gab: "Kommt und seht." Die Entschlossenheit
des Verkünders muss in der Jugend das gleiche Interesse wecken, wie Andreas
und Johannes es zeigten. Zugleich muss der Weg der Jugend offen stehen, zu kommen
und zu sehen, und zwar so, dass sie unterwegs mit Petrus sagen können:
"Herr, zu wem sollen wirgehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh
6,68).