
| Der
Missionar von Barry Fischer, C.PP.S. |
| Mission
- Heutige Trends von Robert Schreiter, C.PP.S. |
| Auf
dem Weg zu einer missionarischen Pfarrei von Thomas Hemm, C.PP.S. |
| Die
Gründung einer Neuen Delegation
von Willi Klein, C.PP.S. |
| Missionar
in einem nicht-christilichen Land von John Bosco, C.PP.S. |
|
Als
Missionar berufen |
DER
MISSIONAR 
von
P. Barry Fischer, C.PP.S.
Nie werde ich den Tag im Mai 1969 vergessen, an dem die Gemeinschaft des St.Josefkollegs
in Indiana in der Aula eine festliche Eucharistie feierte und dabei einen anderen
Seminaristen und mich aussandte, um in Peru als Missionare zu arbeiten. Provinzial
P.John Byrne überreichte nach der Predigt jedem von uns ein Kreuz, das
unsere Sendung durch die Kongregation zum Ausdruck brachte.
In der Vorstellung der Menschen war der Missionar während langer Zeit eine
beinahe mystische, heldenhafte Figur, die in exotischen Ländern unter grossen
Gefahren und Opfern den Glauben verkündet.
Gegen Ende des zweiten Jahrtausends erfährt das Konzept der Mission tiefgreifende
Veränderungen. Die ganze Kirche wird sich ihrer missionarischen Natur bewusst
und betont die missionarische Sendung jedes einzelnen Christen. Auf diesem Hintergrund
müssen wir erneut bedenken, was es bedeutet, eine "missionarische
Gemeinschaft" zu sein. Wir müssen unseren Platz innnerhalb der umfassenden
Sendung der Kirche sehen und gleichzeitig entdecken, was denn unser eigener
Beitrag im Licht der Spiritualität des Kostbaren Blutes ist. Wir sind dabei,
die missionarische Dimension als Teil des Charismas unserer Kongregation neu
zu entdecken.
In unseren Normativen Texten heisst es: "Wer gerufen ist, an der Sendung
Jesu in der Welt teilzunehmen, strebt ständig nach jenen Eigenschaften
Christi, die das Reicht Gottes am meisten zur Geltung bringen. Durch das Geheimnis
des Blutes Christi, aus dem wir leben, sind wir als Menschen und Christen, als
Gemeinschaft und im Apostolat dazu berufen" (G 28); und in seinem apostolischen
Rundschreiben Vita Consecrata schreibt der Hl.Vater, dass die Kongregationen
ihre Sendung "entsprechend dem besonderen Charisma des jeweiligen Institutes"
leben (vgl. 36f,52).
Wir müssen unsere Mitarbeit an der Sendung der Kirche im Licht unseres
Charismas als "Missionare vom Kostbaren Blut" sehen. Das "Profil
eines CPPS-Missionars", erarbeitet an der CPPS-Studienwoche für Ausbildner
im Jahr 1992, sagt so: "Das Blut Christi bildet die Mitte im Leben und
Dienst eines Missionars. Dieses Zeichen der Liebe Gottes beschreibt und erklärt
uns Missionaren das Reich Gottes, die Menschen, zu denen wir gerufen sind, und
die Botschaft und das Wort, das wir verkünden."
Der Missionar ist ein "Gesandter". So fragen wir uns: Wer sendet uns?
Zu wem sind wir gesandt? Das Blut Christi überbringt uns den göttlichen
Ruf, der uns für eine besondere Sendung in Gemeinschaft beruft.
Gerufen und gesandt durch das Blut
Wir leben heute
in einer Kultur des Todes, in der tagtäglich das Blut unschuldiger Menschen
vergossen wird: abgetriebene Kinder, Krieg, ethnische Säuberungen, Vertreibungen,
Opfer von wirtschaftlichen Systemen, die Millionen ausgrenzen, sie zum Hungertod
oder zu einem unmenschlichen Lebens verurteilen. All dieses Blut klebt an den
Händen derjenigen, die nach Wohlstand und Macht streben. Christus vergiesst
auch heute sein kostbares Blut in diesen unschuldigen Menschen. Es ist das Blut
Abels, das täglich vergossen wird und die Erde tränkt, auf der wir
gehen. In seiner Enzyklika Evangelium Vitae beschreibt der Hl.Vater ausführlch
diese Kultur des Todes und beschwört alle Christen und Menschen guten Willens,
"die Stimme des Blutes deines Bruders (zu hören), das vom Erdboden
schreit." Und er nennt das Blut Christi die Antwort Gottes auf den Schrei
des Blutes Abels, die Quelle vollkommener Erlösung und die Gabe des neuen
Lebens (25). Er appelliert dringend an alle Christen und Menschen guten Willens,
das Evangelium des Lebens zu verkünden (82-84).
Als eine Gesellschaft des Apostolischen Lebens in der Kirche und unter dem Titel
des Kostbaren Blutes sind wir berufen, lebendige Stimme des Blutes Christi zu
sein, das von der Erde aufschreit im Blut aller jener, die heute leiden! Dies
kann ein Weg sein, unsere Identität und unsere Sendung zu verstehen, ein
Weg, der die Grenzen von Kulturen und Sprachen überwindet, ein Weg des
Selbstverständnisses, in welchem Apostolat oder Dienst wir auch immer engagiert
sind.
Fragen wie: "Wo hören wir in unserer besonderen Situation den Schrei
des Blutes?" und "Wie können wir in unserem Dienst auf diesen
Schrei eine Antwort geben?" helfen uns, unsere Sendung im Licht des Kostbaren
Blutes zu sehen; sie helfen uns bei der gemeinsamen Suche nach einer Antwort
in schöpferischer Treue zu unserem Charisma.
So wie der Schrei von Abels Blut Gott zu Mitleid und zum Eingreifen bewegte,
um die Menschheit aus jeglicher Knechtschaft zu befreien, so sind auch wir zur
Hingabe gerufen. Wir hören den Schrei des Blutes und werden dadurch aufgefordert,
darauf eine Antwort zu geben mit dem Blut Christi, das von Bund, Kreuz und Versöhnung
spricht!
Die Umstände sind je nach Ort und Kultur unterschiedlich. Wo immer aber
wir uns befinden und welchen Dienst wir auch immer tun - der Schrei des Bluts
erreicht uns von der Erde, auf der wir gehen!
Wir Missionare vom Kostbaren Blut sind in besonderer Weise berufen, ein "lebendiges
Gedächtnis" zu sein, die Stimme der Stimmlosen, das kritische Gewissen
der Gesellschaft und der Kirche, so dass die Menschen den heutigen Schrei des
Blutes nicht taub und gleichgültig überhören.
Beweglichkeit
In den geschichtlichen
Anfängen unserer Kongregation waren die "missionarischen Reisen"
vorherrschend. Kaspar und seine Gefährten reisten von der Stadt aufs Land
und umgekehrt, kreuz und quer durch den ganzen Kirchenstaat, Volksmissionen
und Exerzitien haltend. Heute hat sich das Missionskonzept ausgeweitet und wir
verstehen den Begriff "missionarische Reisen" im Zusammenhang der
Sendung der ganzen Kirche und in schöpferischer Treue zu unserem Charisma.
Die grösste Gefahr droht unserer missionarischen Identität durch die
Tendenz, sich "fest einzurichten", als einzelne oder als Gemeinschaft,
sei es aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus, aus Angst und Erschöpfung,
sei es wegen äusserer Bedrohungen, die unsere pastorale Tätigkeit
begrenzen, oder einfach wegen eines Mangels an Kreativität.
Das Hören des "Schreies des Blutes" jedoch lässt uns aufbrechen!
Es stört unseren Frieden, unsere Bequemlichkeit und unser Sicherheitsbedürfnis.
Wir sollten bereit sein, uns vom Schrei des Blutes leiten zu lassen, das von
der Erde zu uns schreit. Dieser Wille, sich leiten zu lassen, verlangt von uns
eine innere Freiheit, den Geist des Exodus, eine wahre Kenosis. Es ist das Blut,
das uns dorthin führt, "wohin wir nicht wollen" (Joh 21,20ff).
Die Armen und die Leidenden werden unsere Führer sein. Die von der Gesellschaft
Verworfenen werden zu Ecksteinen, zum Zentrum unseres Apostolates und unserer
Mission. Dies zu tun, bedeutet, dem Schrei des Blutes gehorsam zu sein: dies
ist die radikalste und grundlegendste Berufung eines Missionars vom Kostbaren
Blut. Wir sind herausgefordert, unsere apostolische Hingabe zu erneuern, indem
wir in neuer Weise Gemeinschaft und Apostolat verwirklichen. Der Gehorsam verpflichtet
uns, in allen unserern apostolischen Bemühungen mehr "missionarisch"
zu sein.
Eine missionarische Gemeinschaft steht mit bereitem Gepäck im Flur, sie
wartet und erkennt den Ruf (vgl. Normative Texte C32). So müssen wir zuallererst
unsere Angst und Bequemlichkeit überwinden, seien diese persönlicher
oder gemeinschaftlicher Natur. Der Missionar vom Kostbaren Blut ist eine bewegliche
Person, allzeit bereit, dorthin zu gehen, wohin uns das Blut Christi heute ruft!
In dieser Ausgabe
Verschiedene CPPS-Missionare
schreiben über ihre Erfahrungen und die missionarische Herausforderung
unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zuerst stellt P.Robert Schreiter fünf
verschiedene Modelle der Mission vor. Diese Modelle sind eine wertvolle Hilfe
für uns alle, um herauszufinden, was wir unter Mission verstehen und wie
wir sie verwirklichen. In dieser Hinsicht ist besonders der Artikel von P.John
Bosco: "Als christlicher Missionar in einem nicht-christlichen Land"
interessant: welches ist das Ziel der Mission in einem Land, in dem die Christen
eine Minderheit sind? P.Fritz Tschol, ein "Veteran" der Auslandsmission
in der Xingu-Prälatur, reflektiert über seine 42 Jahre in Brasilien
und spricht u.a. von den Schwierigkeiten der Inkulturation. P.Willi Klein, Generalrat,
schreibt über die Wiedereröfffnung der kroatischen Mission im Licht
einiger der "Kriterien für die Eröffnung einer Mission",
die im Juli vergangnenen Jahres beim Treffen der höheren Oberen in Tansania
beschlossen worden sind. Schliesslich schreibt P.Thomas Hemm von der Erfahrung
in einer Pfarrei, von der Aufgabe der Laien und von der Zusammenarbeit in einer
nachkonziliaren missionarischen Pfarrei in den U.S.A.
Ich hoffe, dass diese Ausgabe Anregungen und einige hilfreiche Elemente zu einer
ständigen Reflexion über unser "missionarisches Charisma"
beitragen wird. Wie leben wir als Einzelne und als Gemeinschaft die Beweglichkeit
eines Missionars vom Kostbaren Blut?
MISSION
- HEUTIGE TRENDS
von Robert J. Schreiter, C.PP.S.
Von Anfang an
war das Wort "Missionare" Bestandteil des lateinischen Titels der
CPPS und wir benutzen es heute praktisch überall als Teil unseres Namens.
Wichtiger aber ist es als Ausdruck unserer Identität, die auf den Gründer
selber zurückgeht.
Im Laufe unserer Geschichte hat das "Missionar-Sein" unterschiedliche
Bedeutungen angenommen. Dies ist nicht verwunderlich bei einer Gemeinschaft
des Apostolischen Lebens, deren Apostolat sehr eng mit dem Dienst am Wort verbunden
ist. Unsere Arbeit im Dienst der Kirche passte sich der Zeit, dem Ort und der
Art und Weise an, in der das Evangelium verkündet werden musste.
Nicht nur die Erfordernisse der Ortskirchen in den vielen Ländern, wo wir
dienen, änderten sich im Laufe der Zeit. Auch das Verständnis der
Kirche selber von ihrer Sendung entfaltete sich im 20. Jahrhundert, insbesondere
durch das Zweite Vatikanische Konzil und durch die Lehre der Päpste Paul
VI. und Johannes Paul II. Um es einfach auszudrücken: die Kirche, die Missionen
als Teil ihrer Aktivitäten hatte, wurde eine Kirche, die Mission ist. Die
ganze Kirche als solche ist missionarisch, wie wir in Ad gentes, dem Dekret
über die missionarische Tätigkeit der Kirche, lesen.
Dieser Artikel soll die verschiedenen missionarischen Wege der Kirche und insbesondere
die missionarische Dimension der CPPS aufzeigen. Wie schon erwähnt, kannte
unsere Kongregation in der Vergangenheit unterschiedliche Formen der Mission.
Mit dem Blick in die Zukunft werden wir uns neuen Herausforderungen stellen.
Zunächst möchte ich fünf missionarische Wege der Kirche vorstellen,
um dann aufzuzeigen, in welcher Weise und in welchem Ausmass die CPPS jeden
dieser Wege beschritten hat.
Wege der Mission
Papst Johannes
Paul II. erinnert uns in seiner Enzyklika Redemptoris missio daran, dass unsere
Teilnahme am Werk der Evangelisierung durch den Heiligen Geist sehr vielfältig
sein kann. Ich greife fünf solche Wege der Teilnahme am Heilswerk heraus:
- Mission als Erstevangelisierung
- Mission als Neuevangelisierung
- Mission als Aufbau der Kirche
- Mission als Antwort auf die Nöte einer Ortskirche
- Mission als Weitergabe des CPPS-Charismas
Mission als Erstevangelisierung
Erstevangelisierung
ist in der Vorstellung vieler Menschen die Hauptform der Mission. Entsprechend
den bewegenden Worten am Ende des Matthäusevangeliums gehen Missionare
"zu allen Völkern", machen alle Menschen zu Jüngern Jesu
und taufen sie "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes" (Mt 28,19). Es ist das Bild des Missionars, der in ein fernes
Land geht, das Evangelium den Menschen verkündet, die davon noch nie gehört
haben, und die Hörer bekehrt. Die starke Ausbreitung der Kirche im 19.
und 20. Jahrhundert durch Erstevangelisierung hat dieser Vorstellung besondere
Kraft verliehen.
Papst Johannes Paul II. hebt in seiner Enzyklika diese Art der Evangelisierung
besonders hervor, spricht aber zugleich auch von anderen Formen der Evangelisierung.
Tatsächlich ist weltweit nur eine Minderheit von Missionaren in der Erstevangelisierung
tätig. Dies vorallem deswegen, weil die Länder, in denen Erstevangelisierung
notwendig wäre, christlichen Missionaren die Einreise verweigern (viele
islamische und buddhistische Länder, die übriggebliebenen kommunistischen
Länder). So gibt es zur Zeit wenig Möglichkeiten zur Erstevangelisierung.
Unsere Kongregation ist an der Erstevangelisierung besondern in Brasilien und
Tansania beteiligt, wo viele Menschen durch CPPS-Missionare Christen geworden
sind. In einem gewissen Ausmass ist dies auch in Indien der Fall, obwohl dort
Proselytismus nicht erlaubt ist. P.John Bosco legt dies in einem Artikel dieser
Ausgabe dar.
Mission als Neuevangelisierung
Anlässlich
des Eintritts ins dritte christliche Jahrtausend rief Papst Johannes Paul II.
zu einer "Neuen Evangelisierung" der Welt auf. Neuevangelisierung
meint die Erneuerung des christlichen Glaubens unter Christen und in der Gesellschaft,
in der sie leben. Es geht um ein Hinausgehen zu denjenigen, welche die Kirche
verlassen haben oder in ihr nicht sehr aktiv sind.
Mit genau diesem Ziel hat der hl.Kaspar eine Gruppe um sich gesammelt, aus der
unsere Kongregation entstanden ist. Vielleicht war gerade diese Form von Mission
- ausgerichtet auf die Erneuerung des christlichen Glaubens - wesentlich für
die CPPS-Identität, mehr als jede andere Form. Es ist wohl die Art und
Weise, welche die Arbeit vieler - vielleicht die meisten - CPPS-Mitglieder kennzeichnet.
Mission als Aufbau der Kirche
In dieser Form der Mission verlassen Missionare ihre Heimat, um an einem anderen Ort der Kirche bei ihrem Aufbau behilflich zu sein. Diese Missionare erfahren oft ebensoviel Mühsal wie jene in der Erstevangelisierung. Der Einsatz von europäischen CPPS-Missionaren in Nordamerika im 19. Jahrhundert ist ein Beispiel solcher Mission. Die Kongregation antwortete auf den Ruf der Ortskirche besonders durch die Hilfe für deutsche und italienische Einwanderer. Nachdem im Laufe der Zeit die Ortskirche erstarkte, können CPPS-Missionare anderswohin gehen, sich neuen Bedürfnissen innerhalb der Ortskirche zuwenden oder für deren ständige Erneuerung arbeiten.
Mission als Antwort auf die Nöte einer Ortskirche
Hierbei geht es
darum, dass besondere Nöte einer Ortskirche die Hilfe anderer Ortskirchen
notwendig macht. Dies geschah nach dem 2. Weltkrieg, als Papst Pius XII. die
Kirche Nordamerikas bat, Missionare nach Lateinamerika zu senden, um die dortige
Kirche gegen Bedrohungen von aussen zu stärken. Die Kongregation sandte
daraufhin Missionare nach Chile und später nach Peru. Der Mangel an Priestern
in diesen Ländern stellte ein grossen Risiko dar, die CPPS half grossherzig
mit, die Lage zu verbessern.
Diese Art, Missionar zu sein, wird zweifellos immer aktuell sein, dann nämlich,
wenn bestimmte Notsituationen entstehen und andere Ortskirchen in der Lage sind,
zu Hilfe zu kommen.
Mission als Weitergabe des CPPS-Charismas
Es gab Situationen,
in denen unsere Kongregation nicht wegen einer besonderen Not gerufen wurde,
sondern in der Absicht, das CPPS-Charisma selber auszubreiten. Dies ermöglichte
die Einwurzelung unseres Charismas in neuen Gebieten und eröffnet sowohl
für die Ortskirche als auch für die CPPS neue Möglichkeiten.
Die Gründungen in Deutschland, Spanien und Polen können so verstanden
werden.
Solche Unternehmungen haben viele positive Ergebnisse gezeitigt. Oft tun dies
Ordensgemeinschaften, die in besonderer Weise das eigene Gemeinschaftsleben
betonen. Für eine Gemeinschaft des Apostolischen Lebens besteht das Risiko,
die spezifische Zielsetzung zu verfehlen: wenn kein definiertes apostolisches
Ziel besteht, wird sie sich entweder dem Diözesanklerus angleichen oder
sie wird das gemeinsame Leben zum Hauptzweck machen. Wie in einer früheren
Ausgabe dieser Publikation dargelegt wurde, ist eine Gemeinschaft des Apostolischen
Lebens an erster Stelle durch ihre Mission bestimmt. Das Gemeinschaftsleben
und die Spiritualität sind auf diese Mission ausgerichtet. Nach den Worten
des Generalmoderators handelt es sich hier um die drei Säulen, auf denen
unsere Kongregation steht.
Auch andere Formen missionarischen Einsatzes kennen Risiken: was tut z.B. eine
missionarische Gemeinschaft dann, wenn die Not, deretwegen sie gekommen ist,
nicht mehr besteht?
In die Zukunft
Das Wort "Mission" bedeutet "senden" oder "gesandt sein". Das Hinausgehen mit der Frohen Botschaft ist das Herzstück missionarischer Tätigkeit. Wir gehen auf vielen verschiedenen Wegen hinaus: wir überqueren nationale oder kulturelle Grenzen, stehen in besonderen Diensten, leben unter Menschen, die anders als wir selber sind. Das Evangelium muss so verkündet werden, dass es von allen verschiedenen Gruppe von Menschen, deren Bedürfnisse sich auch ändern können, gehört werden kann. Als eine Gemeinschaft des Apostolischen Lebens, die hinausgeht zu anderen und ihnen das Evangelium so treu und so mutig als nur möglich verkündet, werden wir wahre Missionare sein.
Auf
Dem Weg Zu Einer Missionarischen Pfarrei
von Thomas Hemm, C.PP.S.
Der hl.Kaspar und die Pfarrei
In den 80er Jahren
versuchte das Chilenische Vikariat, unsere Identität als "missionarische"
Gemeinschaft zu klären. Wir entschlossen uns, den Titel "Patres"
durch "Missionare" vom Kostbaren Blut zu ersetzen. Der Schwerpunkt
des Dienstes am Wort Gottes, besonders durch Volksmissionen und Exerzitien,
wurde uns neu bewusst. Wir begannen uns zu fragen, ob die Nordamerikanischen
Provinzen und deren Missionen mit ihrem massiven Engagement in den Pfarreien
nicht das Ziel des missionarischen Charismas des hl.Kaspar verfehlten.
Wir verfolgten den Weg unserer Kongregation zurück bis hin zur Einladung
des Bischofs von Cincinnati in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Hat uns
Franz Sales Brunner vom richtigen Weg weggeführt, als er dieser Einladung
folgte? Der hl.Kaspar hatte eindeutig den Pfarreidienst vermieden, um die Mitglieder
für die spezifische missionarische Aufgabe des Institutes frei zu behalten.
Ich fragte mich jedoch auch, welche Art von "Pfarrei" der hl.Kaspar
vermied. Könnte es sein, dass die Pfarrei nach dem Zweiten Vatikanum etwas
anderes ist als die Pfarrei im Kirchenstaat des 19. Jahrhunderts? Wie würde
der hl.Kaspar eine Pfarrei der 80er und 90er Jahre beurteilen?
Weiters fragte ich mich: Ist eine heutige Pfarrei der katholischen Kirche gerade
wegen der Reformarbeit des hl.Kaspar und anderer Missionare etwas anderes? Wenn
auch der hl.Kaspar seine Kräfte nicht für die Reform der Pfarrei eingesetzt
hat, so weckten doch seine Aktivitäten das Bewusstsein der Reformbedürftigkeit
des Lebens in den Pfarreien.
Die Pfarrei seit dem Zweiten Vatikanum
Seit dem 2.Vatikanischen
Konzil ist Mission ein integraler Bestandteil des Selbstverständnisses
der Kirche. Mission meint in etwa das, was eine nachkonziliare Pfarrei sein
soll. Achten wir auf den Geist, der aus den folgenden Zitaten aus Konzilsdokumenten
spricht:
"Zudem sei die Seelsorge immer von missionarischem Geist beseelt, so dass
sie sich in gehöriger Weise auf alle, die in der Pfarrei wohnen, erstreckt"
(Christus Dominus,30).
"Die Pfarrei bietet ein augenscheinliches Beispiel für das gemeinschaftliche Apostolat; was immer sie in ihrem Raum an menschlichen Unterschiedlichkeiten vorfindet, schliesst sie zusammen und fügt es dem Ganzen der Kirche ein. Die Laien mögen sich daran gewöhnen, ... jede apostolische und missionarische Initiative der eigenen kirchlichen Familie nach Kräften zu unterstützen" (Apostolicam actuositatem, 10).
"Die Einzelgemeinde darf darum nicht nur die Sorge für die eigenen Gläubigen fördern, sondern muss, von missionarischem Eifer durchdrungen, allen Menschen den Weg zu Christus ebnen" (Presbyterorum ordinis, 6).
Die Laien und die Mission
Ein Gedanke des
Konzils jedoch könnte den hl.Kaspar überraschen: die grundlegende
missionarische Verantwortung, einst an die Hierarchie gebunden, ist jetzt Aufgabe
aller Getauften, die Christus nachfolgen. In seinem postsynodalen Schreiben
an die Laien betont Papst Johannes Paul II. diesen wichtigen Schritt, wenn er
sagt, dass die missionarische Berufung
"nicht nur eine Sorge der Pfarrer, Kleriker und Ordensleute ist. Der Auftrag
ist an alle gerichtet: auch Laien sind vom Herrn persönlich gerufen, der
ihnen einen Auftrag für die Kirche und für die Welt gibt... Das Konzil
hat wie nie zuvor von der Natur, der Würde, der Spiritualität, der
Sendung und der Verantwortung der Laien gesprochen... Der Herr selber erneuert
seine Einladung an alle Laien... , sich mit ihm in seiner Heilssendung zu vereinen.
Aufs Neue sendet er sie in alle Städte und Orte, in die er selbst gehen
wollte (vgl. Lk 10,1)" (Christifideles laici, 2).
Die Vorzugsstellung
der Laien in der postkonziliaren missionarischen Pfarrei stellt einen besonderen
Anspruch an jene, die in einer pastoralen Führungsaufgabe stehen. Dies
ist vielleicht auch am Beginn des neuen Jahrtausends die bedeutendste Herausforderung
für eine Gemeinschaft wie die unsrige. In einer mehr traditionellen Pfarrei
waren die Kleriker für das Apostolat verantwortlich und die Laien waren
Helfer. In einer zeitgenössischen missionarischen Pfarrei sind alle in
gleicher Weise verantwortlich.
Diese Verschiebung kommt im "Mission Statement" der Cincinnati Province
zum Ausdruck: eine unserer Hauptaufgaben besteht darin, "die Begabungen
der Laien zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten".
Dies verlangt ein Umdenken im Selbstverständnis der für die Pastoral
Verantwortlichen. Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen
klar vom Weihepriestertum unterschieden ist, "müssen sich die Pfarrer
immer bewusst sein, dass ihr Dienst grundlegend auf das ganze Volk Gottes ausgerichtet
ist (Hebr 5,1)" (Christifideles laici, 22.3).
Die Leitung einer missionarischen Pfarrei
Oft habe ich mich
während meines pastoralen Dienstes um dieses neue Selbstverständnis
bemüht, indem ich mich an Jesu Worte der Freude und des Lobpreises erinnerte,
die er sprach, als er die besonderen Gaben Gottes der "kleinen Leute"
betrachtete (Lk 10,21). Nicht so sehr mich selber und meinen Dienst muss ich
anschauen, sondern darf vielmehr ein privilegierter Zeuge dessen sein, was der
Heilige Geist wirkt.
Kürzlich las ich ein Buch von Howard Friend, das mir bei der Reflexion
über eine missionarische Pfarrei eine Hilfe war. Der Titel des Buches lautet:
Das heilige Zentrum neu entdecken: Erneuerung der Kirche von innen nach aussen
(Judson Press, 1998). Unter vielen hilfreichen Vergleichen findet sich auch
dieser: er vergleicht die sog. traditionelle Kirche mit einer Fluggesellschaft:
"Eine Fluggesellschaft ist bemüht, bei einer begrenzten Zahl von Flügen,
einer begrenzten Zahl von Fluglinien und einer begrenzten Zahl von Sitzplätzen
möglichst viele Reisende zu transportieren. Wenn aber dein Flugziel im
Plan der Gesellschaft nicht vorkommt, wirst du diese Gesellschaft nicht benützen"
(S.87).
Die missionarische Pfarrei ist eher wie ein Flughafen. Hier sind alle Mitglieder
Piloten und werden entsprechend ihrer Taufberufung aktiv. Friend fährt
fort:
"Ein Flughafen jedoch bemüht sich, die nötigen Sicherheitsvorkehrungen
für möglichst viele An- und Abflüge zu treffen, für grosse
und kleine Flugzeuge, die verschiedene Ziele anfliegen. Die Ziele aber werden
von den Flugkapitänen angegeben... Als Leiter sind wir demnach eher Verkehrskontrolleuren
als Piloten ähnlich."
Schluss
Abschliessend
möchte ich meinen Vorschlag zusammenfassen. Das missionarische Charisma
des hl.Kaspar umfasst neben Volksmissionen und Exerzitien, die immer eine besodere
Aufgabe in unserem Apostolat bleiben werden, auch einen dringend notwendigen
Beitrag zur Entwicklung von missionarischen Pfarreien. Im postsynodalen Dokument
über die Kirche in Amerika hat Papst Johannes Paul II. diese Not mit neuer
Dringlichkeit beschrieben:
"Diese Art einer erneuerten Pfarrei braucht als Verantwortlichen einen
Pfarrer, der eine tiefe Erfahrung des lebendigen Christus und das Herz eines
Vaters hat, der fähig ist, das geistliche Leben zu stärken, indem
er das Evangelium verkündet und Zusammenarbeit fördert. Eine erneuerte
Pfarrei braucht die Zusammenarbeit der Laien und deshalb auch einen Leiter der
pastoralen Aktivitäten und einen Hirten, der fähig ist, mit anderen
zusammenzuarbeiten. In Amerika sollten sich die Pfarreien durch einen missionarischen
Geist auszeichnen, der sie hinausführt zu denen, die weit weg sind"
(Ecclesia in America, 41).
Ich glaube, der
hl.Kaspar wäre damit einverstanden. Vielleicht erleben wir eine neue Phase
seines Traumes:
"In meinen Gedanken sehe ich manchmal eine grosse Zahl von Arbeitern, die
mit dem heiligen Kelch der Erlösung in die ganze Welt hinaus gehen, immer
weiter... und den Frieden bringen durch das Blut" (Brief an Msgr.Bellisario
Cristaldi, 22.Mai 1826).
Die
Gründung Einer Neuen Delegation
von
Willi Klein, C.PP.S.
Als nüch im
Sommer 1979 der damalige Provinzial Anton Loipfinger einlud, an der 100-Jahrfeier
der ASC in Banja Luka in Bosnien teilzunehmen, dachte in unserer Provinz niemand
daran, daß in dieser Region Europas einmal eine Niederlassung der CPPS
entstehen könnte. Obwohl ich die Sprache nicht verstand, beeindruckten
nüch die Herzlichkeit und der tiefe Glaube der christlichen Brüder
und Schwestern, die unter kommunistischer und nationaler Verfolgung litten.
In den folgenden Jahren leitete ich dort verschiedene Exerzitien und Einkehrtage
für ASC und für Jugendliche. Langsam entstand die Idee der Errichtung
einer CPPSNiederlassung, bis schließlich im Jahr 1987 der Bischof von
Banja Luka an unseren Generalmoderator die Bitte richtete, Missionare in seine
Diözese zu senden.
Die Ausbreitung unserer Kongregation in der Vermangenheit
Unsere Kongregation
hat vielfältige Erfahrungen mit Gründungen in neuen Gebieten und nüt
Gründerpersördichkeiten. Manche Gründungen haben zu einer weiteren
Ausbreitung der Kongregation geführt, andere wurden nach kürzerer
oder längerer Zeit wieder aufgegeben.
Franz Sales Brunner machte seine erste Gründung 1839 in Löwenberg/Schweiz
und im Elsaß/Frankreich. Die kirchenfeindliche Atmosphäre in diesen
Gebieten, Brunners nüssionarisches Streben und die Einladung des Bischofs
von Cincinnati ffihrten zur Gründung der Niederlassung in St.Alphonsus,
Peru/Ohio und damit der nordamerikanischen Provinzen.
Auf der Suche nach einem Stützpunkt in der europäischen Heimat kam
Brunner 1858 nach Schellenberg/Liechtenstein, wo im Jahr 1911 Gregor Jussel
mit der Ausbreitung der Kongregation in den deutschsprachigen Ländern begann.
Dies führte zur Gründung der deutschen Provinz.
Die Schenkung der.Casa del Sol führte im Jahr 1898 zur Errichtung einer
Niederlassung in Caceres Spanien durch Bartolomeo Corradini. Daraus entstand
später die iberische Provinz.
Um italienische Auswanderer zu betreuen, gingen 1904 Eduardo Ricciardelli und
Pasquale Renzullo nach Chicago und machten so den Anfang für die atlantische
Provinz.
Auf Vorschlag der römischen "Propaganda Fide" hin begann Markus
Schaawalder 1930 in Porto de Moz, Amazonien/Brasilien. Sein Mitbruder Johann
Rinderer war schon kurz nach der Ankunft in der "grünen Hölle"
an Gelbfieber gestorben. Dies war der Anfang des brasilianischen Vikariates.
Nach einer fünfwöclügen Erkundungsreise des nordamerikanischen
Provinzials Marling in Südamerika und nach Absprache n-üt der "Propaganda
Fide" begann John Wilson 1947 in Santiago/Chile und machte den Anfang ffir
das chilenische Vikariat.
Auf die Bitte der peruanischen Bischöfe und der "Propaganda Fide"
hin wurde die Mission in Peru errichtet und Paul Buehler begann 1962 in Lima.
1975 begann Paul Aumen in Guatemala City zu wirken, was zur Errichtung der Mission
in Guatemala im Jahr 1985 führte.
Nüt dem Wunsch, das Charisma des hl.Kaspar im osteuropäischen Raum
auszubreiten, und auf Einladung der polnischen ASC hin begann Winfried Wermter
1983 in Czstochowa/Polen und machte damit den Anfang für das Polnische
Vikariat.
Ein neuer nüssionarischer Geist in der Italienischen Provinz ffihrte nach
mehreren Erkundigungsreisen und Gesprächen nüt den entsprechenden
Bischöfen 1966 zur Gründung der Mission in Manyoni/Tansania und 1989
in Bangalore/Indien, beide Male durch Giuseppe Montenegro.
Dieser historische Überblick läßt erkennen, daß unterschiedliche
Gründe zur Ausbreitung unserer Kongregation geführt haben: der Auftrag
Jesu Christi und der rnissionarische Eifer der Nfitbrüder, der Wille, das
Charisma des hl.Kaspar in der Kirche auszubreiten, die Suche nach geistlichen
Berufen, konkrete Bedürfnisse einer bestimmten Ortskirche- die Offenheit
für die Führung des U. Geistes. Gleichzeitig ist es eine Geschichte
von Schwierigkeiten und menschlichen Schwächen, von großen Opfern
einzelner und ganzer Provinzen.
Der gescheiterte Bepinn in Jumoslawien - 1988-1992
Die höheren
Oberen unserer Kongregation haben im Juli 1998 die J<-hterien für die
Gründung einer Nüssion/Delegation und die Errichtung eines Vikariates
oder einer Provinz" ("Kriterien") verabschiedet. Dort heißt
es: "Der Aujbau einer zukünftigen Mission1Delegation
muß von einer Provinz getragen sein, es soll sich nicht nur um die persönliche
Initiative eines einzelnen handeln. Dies bedeutet, daß (1) mehr als ein
Vollmitglied der Provinz an dem als Mission1Delegation geplanten Werk mitarbeitet,
und daß (2) dieses die ausdrückliche Unterstützung einer deutlichen
Mehrheit der Provitizmitglieder erhält."
Der Beginn in Jugoslawien hatte von Anfang an einen schwachen Punkt: Der Generalmoderator
hatte zwar der von der Deutschen Provinz im April 1988 n-üt großer
Mehrheit beschlossenen Errichtung der Mission in Jugoslawien zugestimmt, jedoch
machte ich den Anfang alleine.
Ich begann im Herbst 1988 in der Diözese Banja Luka/Bosnien nüt Hilfe
von ASCSchwestern und ortsansässigen Diözesanpriestem nüt Einkehrtagen
und Exerzitien und mit dem Aufbau eines Nfissionshauses in Nova Topola. Es kamen
auch einheimische Kandidaten, die einerseits Ausbildung brauchten und andererseits
mitarbeiteten. Das alles war insofern schwierig, als ich nüch dort illegal
aufhielt und diese Tätigkeiten mir von den Behörden ausdrücklich
verboten worden waren. Dies dauerte vier Jahre lang. In Zagreb errichtete ich,
ebenfalls illegal - jedoch mit Zustimmung des dortigen Erzbischofs, ein zweites
Haus für die Ausbildung der Kandidaten.
Schwierigkeiten mit den Kandidaten, der Ausbruch des Krieges 1991 und umfangreiche
Hilfsaktionen für Kriegsflüchtlinge führten zu gesundheitlichen
Problemen, so daß mich Provinzial Josef Epping im Sommer 1992 zur Erholung
nach Schellenberg in Liechtenstein versetzte. Unser Nfissionshaus in Nova Topola
wurde zerstört, das Haus in Zagreb übergaben wir den ASC, die in Bosiüen
große Xiederlassungen verloren hatten.
In den nun folgenden Jahren herrschte bei mir selber und auch in der Provinzleitung
lange Zeit Ungewißheit darüber, ob das begonnene Werk weitergeführt
werden sollte.
Der zweite Beginn der "Delegation in Kroatien"
Inzwischen schuf
der Krieg eine neue politische Situation: Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina
und Mazedonien wurden selbständige Staaten. Das Polnische Vikariat erklärte
sich bereit, Missionare nach Kroatien zu senden, und die
Provinzgeschäftsversanunlung beschloß 1998, das begonnene Werk weiterzuführen.
Außer dem Delegationsleiter werden aus dem Polnischen Vikariat ein Priester,
der für die Ausbildung verantwortlich sein wird, ein Bruder-Koadjutor und
ein Senünarist nütgehen.
Dazu kommt ein
kroatischer Senünarist, der bereits drei Jahre Ausbildung im polnischen
Vikariat hinter sich hat. Zwei Schwestern MSC aus Polen werden mit uns zusammenarbeiten.
Kroatische Kandidaten sollen ihre Ausbildung sowohl im Polnischen Vikariat als
auch in Kroatien erhalten. Zunächst werden wir unser Haus in Zagreb beziehen,
das die ASC nicht mehr benötigen.
In den "Kriterien" heißt es: "Es bestehen in der Region
klare apostolische Bedürfnisse, die es ermöglichen, das Charisma unserer
Kongregation als 'Dienst in der Kirche durch die apostolische und missionarische
Verkündigung des Wortes Gottes' (C3) zu verwirklichen." Die Zielsetzung
von 1988, nämlich am Grabenbruch', an dem sich seit Jahrhunderten
lateinisches und orthodoxes Christentum und verschiedene politische Interessen
aneinander wund reiben, auf den Schrei des Blutes Christi eine Antwort zu geben,
ist dieselbe geblieben. Trotzdem war aufgrund der "Kriterien" und
aufgrund der neuen politischen Situation eine Neuorientierung notwendig. Wir
nahmen Kontakt auf nüt verschiedenen Bischöfen in der Region und es
reifte der Entschluß, in den nächsten Jahren in Ludbreg/Kroatien
ein Nüssionshaus zu errichten. Ludbreg ist ein Blut-Christi-Wallfahrtsort,
der in zunehmendem Masse von Pilgem besucht wird. Der zuständige Bischof
von Varaidin gab seine Zustimmung und schrieb: "Wenn Gott Ludbreg zu einem
Ort erwählt hat, wo in besonderer Weise das Blut Christi verehrt wird,
..., dann ist es notwendig, daß auch die Kirche ihrerseits die größten
Anstrengungen unternimmt, damit Ludbreg ein geistliches Zentrum und ein Ort
der geistlichen Erneuerung für die Diözese Varadin und unsere
ganze Heimat Kroatien werden kann" (Brief vom 10. 07.1998).
Nüt der Hilfe Gottes und der Deutschen Provinz möchten wir dies zu
unserem Programm machen, nicht nur für Kroatien, sondern auch darüber
hinaus.
Missionar
In Einem Nicht-Christlichen Land
von John Bosco, C.PP.S.
Einleitung
"In einer Zeit der Globalisierung von Problemen und der Rückkehr zu den Idolen des Nationalismus ist es besonders die Aufgabe internationaler Institute, den Sinn der Gemeinschaft zwischen Völkern, Rassen und Kulturen wachzuhalten und zu bezeugen." Mit diesen Worten Papst Johannes Pauls II. möchte ich meine siebenjährige Erfahrung als Missionar in Indien, einem nicht-christlichen Land, überschreiben.
Erste Evangelisierung in Indien
Die Überlieferung
weiss, dass der hl.Apostel Thomas im Jahr 52 als erster das Christentum nach
Indien brachte. Dokumente christlicher Präsenz gibt es jedoch erst aus
dem dritten Jahrhundert von der syrischen Kirche an der malabarischen Küste.
Fast das ganze übrige Indien musste bis zur Ankunft der Portugiesen im
Jahr 1498 auf das Evangelium warten.
In Indien wurden drei verschiedene Methoden der Evangelisierung angewandt. Die
erste, wir können sie die portugiesische Methode nennen, machte mit Gewalt
Proselyten. Dahinter stand die Auffassung vom Recht des Eroberers, die Religion
der unterworfenen Völker bestimmen zu können. Diese Methode beinhaltete
auch den Kampf gegen Religion und Kultur der Eingeborenen. Wer Christ wurde,
musste sich einen portugiesischen Namen geben lassen, die portugiesische Kultur
und Kleidung annehmen.
Die zweite Methode war die des Jesuiten Robert de Nobili, der 1606 nach Indien
kam. Er passte sich radikal der Kultur und der Lebensweise der Eingeborenen
an. Er fasste das Evangelium in Begriffe der Hindukultur, so dass die Hindus
nicht den Eindruck bekamen, das Christentum sei ein Angriff auf ihre angestammte
Lebensweise. Er eignete sich die Tamil - und Sanskritsprache an, Kleidung, Ernährung
und soziale Bräuche übernahm er von den Brahmas.
Im späten 19. Jahrhundert schliesslich kamen die Jesuiten Constanz Lievens
und Johannes Baptist Hoffmann nach Chotanagpur. Beide stellten fest, dass die
Eingeborenen von Landbesitzern und Geldverleihern ausgebeutet wurden. Sie studierten
und bekämpften das Übel der Unterdrückung, sie gründeten
landwirtschaftliche Kooperativen und gewannen viele Eingeborene für das
Christentum.
In einem Land wie Indien mit so vielen Religionen und so vielen Armen ist eine
Kombination der Methoden von de Nobili, Lievens und Hoffmann angebracht, um
eine fruchtbare Evangelisierung zu ermöglichen.
Heute sind in Indien etwa 3% der Bevölkerung christlich. Man schätzt,
dass die Mehrheit der Christen aus sehr armen Bevölkerungsschichten kommt,
insbesondere aus der Gruppe der Kastenlosen.
Heutige Evangelisierung in Indien
Heute können in Indien fünf verschiedene Trends christlicher Mission unterschieden werden.
1.
Evangelisierung als Befreiung
In einer Situation von Ausbeutung, Diskriminierung und Ungerechtigkeit sind
Befreiung und Befreiungsbewegungen mit dem Ziel der ganzheitlichen Entwicklung
des Menschen ein wesentliches Element der Evangelisierung. In unserer Pfarrei
setzen wir uns mit all unseren menschlichen und materiellen Möglichkeiten
besonders für eine umfassende Entwicklung ein.
2.
Evangelisierung als Dialog
Die grossen religiösen Traditionen und der geistliche Reichtum Indiens
haben die Kirche veranlasst, mit diesen Religionen und deren Anhängern
einen ernsthaften Dialog zu führen. Im Gebiet unserer Pfarrei gibt es 10
Hindutempel, eine Moschee und einen Buddhatempel. Ich habe Kontakt mit den Leitern
aller dieser Gotteshäuser. Sie sind dafür sehr dankbar und die Beziehungen
sind gut. Bald möchte ich alle Führer nicht-christlicher Gemeinschaften
zu einem Treffen in unsere Pfarrei einladen. Es gibt sehr viele religionsverschiedene
Trauungen. Jedes Jahr gibt es in der Pfarrei drei bis fünf Hindu-Familien,
die zum Katholizismus konvertieren. Anlässlich von Besuchen bei Pfarreiangehörigen
bitten mich auch viele Hindus, ihre Häuser zu segnen. Dies zeigt ihre grosse
Wertschätzung unserer Religion.
3.
Evangelisierung als Inkulturation
Eine der grössten Schwierigkeiten der Kirche in Indien ist ihr westliches
"Gewand". Um dieses Hindernis zu überwinden, muss sie einen ernsthaften
Prozess der Inkulturation in allen Aspekten ihres Lebens hinsichtlich der gesellschafts-wirtschaftlichen
Realität des Landes beginnen. Dies ist eines unserer Ziele der Evangelisierung
in Indien.
4.
Evangelisierung im christlichen Ashram
Der hinduistische monastische Lebensstil im Ashram ist von entscheidender Bedeutung
für die Evangelisierung. Christliche Ashrams, die sich den indischen Ashram
zum Vorbild nehmen, können Zentren der Weisheit und des Trostes werden,
die ernsthafte Sucher nach Wahrheit und Licht anziehen. Christliche Ashrams
stellen keine Bedrohung für diejenigen unter uns dar, die in den religiösen
Traditionen der Hindus aufgewachsen sind.
5.
Evangelisierung und Ökumene
Das Pan-Indische Seminar hat im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils den
Beschluss gefasst, "alles zu unternehmen, was in unseren Kräften steht,
um die ökumenische Bewegung durch Studium, soziales Engagement und Gottesdienste
zu fördern, so dass alle jene, die Christus als Herrn und Retter anerkennen,
in ihm zur Einheit finden. Was immer wir gemeinsam tun können, sollten
wir nicht getrennt tun."
Im Gebiet meiner Pfarrei gibt es 10 protestantische Kirchen. Letztes Jahr lud
ich am 20.Dezember alle Pastoren dieser Kirchen zu einem kleinen Treffen ein;
dieses endete mit einem gemeinsamen Freudschaftsmahl. Dieses Jahr lud ich sie
wieder alle ein, und zwar an unserem Patronatsfest des hl.Pauls (24. Januar),
zu einer Feier christlicher Einheit. Jeder der Pastoren hielt eine kurze Ansprache
und alle brachten ihre Freude über dieses Treffen zum Ausdruck.
Schluss
Evangelisierung geschieht in der Kirche in verschiedenen Formen, auch in Indien hat sie ihre eigenen Möglichkeiten. In einem Land mit so vielen Religionen und so vielen Armen ist die Verkündigung der Frohbotschaft Jesu Christi beides: Herausforderung und Freude. In unserer Pfarrei versuchen wir, die verschiedenen Wege zu gehen, die ich beschrieben habe.
Als Missionar berufen
von Fritz Tschol, C.PP.S.
Es war am 26. Januar
1957. Provinzial P. Josef Müller bat mich auf sein Arbeitszimmer. Als ich
nach wenigen Minuten herauskam, stand mein Entschluß fest : Xingu-Mission.
Der Missionar, der in eine fremde, unbekannte Welt hinauszieht, ruft bei vielen
Erstaunen und Bewunderung hervor. Er wird feierlich verabschiedet, im Seminar,
in der Heimatpfarrei. Berufung ist ein Geheimnis. "Jesus rief zu sich,
die er selbst wollte."(Lk 3,13), nicht die Besten, nicht die Stärksten,
sondern die er selbst wollte. "Nicht ihr habt mich erwählt, ich habe
euch erwählt." (Jo 15,16). Er allein weiß warum.
Ich war reisefertig. Ende November 1957 sollte ich von Hamburg ausfahren. Kurz
vor der Abreise wurde das ganze Reiseprogramm geändert. Nun sollte ich
anfangs Dezember von Rotterdam ausfahren. Mein Abschied von daheim fiel ausgerechnet
auf den 3. Dezember - Fest des Hl. Franz Xaver, Patron der Missionare. Zufall?
In der Nacht fiel der erste Schnee und kleidete Berg und Tal in weiß.
Bei aller Ungewissheit, was mich in einer fremden Welt erwarten würde,
war es mir zumute als sagte mir der Herr: ziehe los, hab Vertrauen, ich bin
mit Dir.
Am 24. Dezember 1957, in der Heiligen Nacht, kam ich an in Belöm- Betlehem.
Allein mit dem alten Hausdiener feierte ich gleich in der Kapelle unseres alten
Missionshauses um Mitternacht mein erstes hi. Meßopfer in unserer Mission.
Weihnachten - ein Kind ist uns geboren. Mission - ist Wegbereiten für das
Kommen des Herrn in die Herzen der Menschen.
Drei Tage auf dem Schiff - Amazonas und Rio Xingu und dann noch 50 Km auf buckliger
Straße bei Nacht durch den Urwald. Das Lastauto bleibt im aufgeweichten
Lehm stecken. Nach der langen Reise komme ich zu Fuß in Altamira an. -
Mission ist Gehen zu den Menschen - "geht hinaus in alle Welt". In
unserer riesigen Xingu-Mision ist unsere Arbeit stets geprägt durch das
Hinausgehen - mit Jeep und Boot - zu den entfernten Siedlungen im Hinterland
der Transamazonica oder zu den Ufersiedlungen im tausend Km tropischen Flußgebiet.
Missionar werden
Die erste große
Aufgabe für den jungen Missionar ist das Erlernen der fremden Sprache,
das Sich-hineinfinden in die fremde Kultur. Man macht die ersten "Gehversuche"
- wie ein Kind - man wird nicht verstanden und kann nicht ausdrücken, was
man sagen will. Fünf Monate lang habe ich mich mit der Predigt herumgeschlagen,
bis mir ein einfacher Landarbeiter sagte, er habe heute das erstemal verstanden,
was ich sagen wollte.
Es gilt auch die Sitten und Gebräuche der fremden Kultur anzunehmen und
jede europäische Überheblichkeit abzulegen. Es ist eine lebenslange
Aufgabe, sich in die Kultur dieses Volkes hineinzuleben, zu lernen und das Gute
zu entdecken. Der hl. Paulus ist den Juden und den Heiden und den Schwachen
-"allen ist er alles geworden". (1 Kor 9,22)
In unserer Mission werden wir unausweichlich fast jeden Tag mit Armut, Krankheit
und Not konfrontiert. Wir können unser Herz nicht verschließen vor
der fortdauernden Armut und Not so vieler, die hungrig sind, beraubt der rechtmäßigen
Chance, ihre menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Wir können die
Türe nicht schließen vor denen, die weder eine ordentliche Wohnung
noch ausreichend Kleidung haben, die unter Krankheiten leiden, weil es an der
primitivsten Gesundheitsfürsorge mangelt, die verzweifeln, weil sie keine
Beschäftigung haben, die es ihnen ermöglichen würde, durch ehrliche
Arbeit ihre Familie zu unterhalten. Das alles bedrückt uns und läßt
uns keine Ruhe. Es ist ein wirtschaftliches, politisches System, das die Reichen
previlegiert und die Masse der Armen immer mehr ins Elend treibt. Das Problem
geht weit über unser Missionsgebiet hinaus, umfaßt Kontinente.
Was können wir daran ändern? Wir spüren unsere ganze Ohnmacht.
Mission ist Ohnmacht - die Ohnmacht unseres Herrn am Kreuz. Als missionare vom
Kostbaren Blut ist gerade hier unser Ort, wo der Leib Christi in seinen Gliedern
heute ans Kreuz geschlagen ist. Durch unsere Hingabe und durch unsere Tat mussen
wir Zeichen der Hoffnung setzen. Das kostbare Blut Christi ist Erlösung,
Auferstehung, Sieg über das Böse, ist Liebe und neues Leben. - Von
den Armen müssen wir lernen. In Treue zum Herrn "muß die Kirche
eine Kirche der Armen sein", sagt unser Papst Johannes Paul 11.
Die Sorge um den einheimischen Priesternachwuchs war von Anfang vordringlich.
Schon vor vierzig Jahren eröffneten wir die Apostolische Schule, ein Prä-Seminar,
einquartiert im alten Patreshaus, das zum Teil als Hühnerstall benützt
war. Ein Mann aus dem Hinterland übergab mir seinen kleinen Sohn mit dem
Auftrag, aus ihm einen Priester, einen Arzt oder einen Traktorführer zu
machen. So einfach geht das jedoch nicht. Wir können nur das Feld bestellen
und für die Aussaat sorgen. Das Wachsen und Gedeihen liegt in der Hand
Gottes. Es folgten viele Jahre der Aussaat, die von Enttäuschung und Mißerfolg
gekennzeichnet waren. Rückschläge und Frustrationen schienen all unsere
Bemühungen sinnlos zu machen. Wir fahren fort, zu beten und legen diese
unsere große Sorge in Gottes Hand.
"Bittet den Herrn de Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende."
Unsere erste Aufgabe als Missionare, die wir vom "Ausland" kommen,
liegt darin, die einheimischen Kirche einzupflanzen und auf eigene Füße
zu stellen. In dieser Hinsicht ist in all diesen Jahren doch einiges gewachsen.
Wir haben heute bereits fünf einheimische DiözesanPriester und einen
Diakon, der demnächst zum Priester geweiht wird. Wir warten hoffnungsvoll
auf Berufe für unsere Gemeinschaft. Mission - heißst warten können.
Das Resultat kann nicht maschinell mit fixiertem Baujahr produziert werden.
Erfahrungen eines Missionars
Eine tiefgreifende
Erfahrung als Missionar am Xingu konnte ich machen mit unserem Besiedlungsprojekt
LOTAP (Loteamento Aparecida), das ich durch 24 Jahre geleitet und verwaltet
habe. Die Mission beschränkt sich nicht nur auf die pastorelle und sabramentale
Tätigkeit im engeren Sinne, sondern stellt uns oft vor ungeahnte Aufgaben
im Bereich der sozialkaritativen Erfordernisse. Am Stadtrand von Altamira, auf
einem ausgedehnten Landbesitz der Prälatur, sollten über 1.300 Bauplätze
für bedürftige Familien zugänglich gemacht werden - systematisch,
dokumentiert und geplant, um Invasionen und künftige Favelas zu vermeiden.
Mit vielen Hilfen aus der Heimat konnten über 230 einfache Wohnhäuser
gebaut werden für ganz arme Familien. Im Überschwemmungsgebiet wurde
der dichte Busch gerohdet. Nach Maß und Plan konnten dort rund 150 Ziegeleien
eröffnet werden. Heute noch arbeiten duzende von armen Familien dort. Es
ist meist ihr einziger Broterwerb.
Die Verwaltung dieses Projekts brachte mich hautnah mit dem Volk zusammen. Man
hat es dabei zu tun mit Heiligen und Gaunern, mit Mördern und Räubern,
mit Gesunden und Kranken, mit kindlichen Analphabeten und gewitzigten Spekulanten,
mit Prostituierten und Drogenhändiern. Mission ist überall - Der Herr
kam, um zu heilen und zu suchen, was verloren war. "Er will dass alle gerettet
werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen."( 1 Tim 2,4 )
Eine Erfahrung besonderer Art, die ich im Laufe der Jahre machen durfte, war
der Kontakt mit den Indianern, den Ur-einwohnern unseres Missionsgebietes. In
periodischen Abständen konnte ich jeweils nur kanpp zwei Wochen in der
Aldeia ( Indianerdorf ) bleiben - ein Besuch der Freundschaft, des Kennenlernens
der historisch - dramatischen Situation dieser Völkerstämme. Für
den jungen Missionar bringt diese fremde, geheimnisvolle Welt allerhand abenteuerliche
Erlebnisse : Wochenlange Flußreisen durch die Wildnis, reißende
Stromschnellen, exotische Tänze beim Lagerfeuer der Indianer. Das alles
fällt nicht ins Gewicht. Niederschmetternd ist es, zu erleben, was dieser
Urbevölkerung Brasiliens heute von seiten der sogenannten "christlichen
Zivilisation" widerfährt.
Die Besitzgier, das Geld, das Streben nach Bodenschätzen und Edelhölzern
macht nicht halt vor den angestammten Rechten und der tausendjährigen Kultur
dieser Volksgruppen. Diese überleben dank ihrer lebensvollen Tradition
und zähen Resistenz.
Und unsere Mission? Wo bleiben wir mit zwei Patres und zwei Schwestern in diesem
riesigen Urwaldgebiet, wo weitverstreut achtzehn Indianerstämme leben?
Als Jesus die Volksscharen sah, befiel ihn Mitleid, denn sie waren wie Schafe
ohne Hirten." (Mk 6,34). Auch diese leidvolle Erfahrung, der Mangel an
Leuten für die Mission, bleibt uns als Missionare nicht erspart.
Missionar zu sein, durch viele Jahre, ist Gnade, Geschenk Gottes. Trotz aller
frohen und bitteren Erfahrungen, die das Leben mit sich bringt, werden wir nie
Meister. Als Missionare sind wir immer "discipulos" - Schüler
folgt den Fußstapfen seines Meisters. Wegen seiner menschlichen Schwäche
und Begrenztheit hört der Schüler nie auf, zu lernen, immer wieder
neu anzufangen. Die Einladung Jesu zu seiner Nachfolge, schließt in sich
auch die Einladung, an der Verfolgung und an seinem Kreuz teilzunehmen. Der
Schüler steht nicht über dem Meistei. Die Missionare - im Grunde alle
Getauften - sind ausgesandt "wie Schafe unter die Wölfe".(Mt
10,16) Mission heißt auch Opfer, Verfolgung und Kreuz, wie immer dieses
sich in unserem Leben gestalten mag.