
| Ausbildung:
Der Schlüssel zu einem Leben in kreativer Treue von Barry Fischer, C.PP.S. |
| Herausforderungen
für die Kongregation vom Kostbaren Blut hinsichtlich der Ausbildung
in der Zukunft von Dionisio Alberca, C.PP.S. |
| Zusammenarbeit
und der Dienst der Inkorporation von Dennis Chriszt, C.PP.S. |
|
Von
der "Regula" bis in Unsere Zeit |
| Schulbesuch von James Urbanic, C.PP.S. |
|
Gemeinsam
Träumen - Gemeinsam Bauen |
Ausbildung:
Der Schlüssel zu einem Leben in kreativer Treue 
von P. Barry Fischer, C.PP.S.
In meinem priesterlichen Dienst haben Leute oft mit mir über die Schwierigkeit gesprochen, als Erwachsene christlich zu leben. Sie haben mit mir über ihre Kämpfe gesprochen, wenn sie versuchten, in ihren Familien, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft die christlichen Werte in die Praxis umzusetzen. Ich erkannte recht bald, daß ihre Ausbildung als Christen mit dem Katechismusunterricht zur Vorbereitung auf die erste hl. Kommunion aufgehört hatte. Während ihre biologische und soziale Entwicklung weiterging, blieb die Entwicklung ihres Glaubens stillstehen. Sie versuchten, auf die Probleme und Herausforderungen eines Erwachsenen mit dem Glauben eines zehnjährigen Kindes zu antworten.
Diese Ausgabe von DER KELCH behandelt das Thema Ausbildung. Dieses Thema richtet sich nicht nur an die, die sich in den verschiedenen Phasen der grundlegenden Ordensausbildung befinden. Es richtet sich vielmehr an jeden Missionar vom Kostbaren Blut. In dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben von Papst Johannes Paul II. Vita Consecrata sagte er: "Es ist klar, daß gerade wegen des Strebens nach der Umgestaltung der ganzen Person die Aufgabe der Ausbildung niemals aufhört. Es ist tatsächlich notwendig, daß den Personen des geweihten Lebens bis zum Ende die Chance geboten wird, im Festhalten am Charisma und an der Sendung ihres Instituts zu wachsen." (Nr. 65)
Der hl. Kaspar sagte in einer Predigt am Fest des Hl. Vinzenz von Paul, daß "Gott zwei Dinge von seinen Priestern fordert: das Licht der Heiligkeit und das Salz der Lehre. Vor allem das gute Beispiel des Lebens und verbunden damit die Vorbereitung auf den priesterlichen Dienst müssen die grundlegenden Quellen der Freude sein für den, der sich dem Dienst am Heiligen weiht." (Geistliche Schriften, Band VII, Nr. 34, Seite 127). Jahre später schrieb der dritte Generalobere der Gesellschaft, der verehrungswürdige Giovanni Merlini, in seinen Rundbrief von 1858: "Die Kongregation braucht gut vorbereitete, heilige und apostolisch gesinnte Missionare. Sorgt, meine lieben Brüder, daß ihr solche werdet und euch so für den priesterlichen Dienst vorbereitet."
Ausbildung ist eine Aufgabe, die nie endet. Als Missionare sind wir berufen, in allen Aspekten des Lebens (menschlich, christlich, gemeinschaftlich, apostolisch) ständig in einem Prozeß des Lernens zu bleiben. Nur so können wir hoffen, daß wir den apostolischen Eifer des hl. Kaspar lebendig erhalten und daß wir fähig sind, in kreativer Treue auf die Nöte unserer Zeit zu antworten, einer Zeit, die gekennzeichnet ist von ständiger und rapider Veränderung.
Unser Gründer verstand unsere Missionshäuser als Orte des Gebetes, des Studiums und des Aufbaus der Gemeinschaft. Ein Missionshaus zeichnete sich aus durch eine gewisse Dynamik. Anders als in einem Hotel, wo die Missionare nur zum Schlafen, Essen und Ausruhen zurückkehren würden, bildeten sie Gemeinschaften, die das Reifen des Missionars in allen Aspekten förderte, um so besser vorbereitet zu sein für die Herausforderungen des apostolischen Dienstes.
Ausbildung ist das Herz unserer Bemühung, unser Gründungscharisma in kreativer Treue zu leben. Ausbildung gibt uns das, was wir brauchen, um heute eine dynamische, bedeutsame Gemeinschaft in der Kirche zu sein. Wir haben lange Zeit nachgedacht über Spiritualität, Gemeinschaft und Apostolat. Oft habe ich diesen Satz von unseren Missionaren gehört: "Das ist alles sehr schön, aber ich war nie dafür vorbereitet." Gewiß, vieles hat sich geändert, seitdem wir uns nicht mehr in der Grundausbildung befinden! Ausbildung muß als ein lebenslanger Prozeß gesehen werden. Wir müssen uns ständig vorbereiten, um die neuen Erkenntnisse und Begriffe zu verstehen, und das nicht nur intellektuell, sondern auch pastoral und vor allem spirituell, um unsere Sendung ausführen zu können und um fähig zu sein, veraltete Begriffe und Handlungsweisen loszulassen, um in kreativer Treue auf die neuen Herausforderungen, die vor uns liegen, zu antworten.
Die Zeiten haben sich geändert. Die Kirche hat sich verändert. Die Mission hat sich verändert. Aber auch wir? Versuchen wir, den Herausforderungen einer in hohem Maß sophistischen, technologischen, globalen und international verbundenen Welt noch mit den Instrumenten entgegenzutreten, die wir vor Jahren in der Anfangsausbildung erhalten haben? Sind wir innerlich freier geworden, losgelöster, so daß wir fähig sind, uns selbst vom "Heiligen Geist führen zu lassen"? Haben wir eine reife Spiritualität des Blutes Christi entwickelt, das das Herz unseres Charismas ist? Hat sich unser Sinn für Mission entwickelt? Dies sind einige der Fragen, die auf die Notwendigkeit der Weiterbildung hinweisen.
Die Weiterbildung hat viele Formen. Die Teilnahme am sakramentalen Leben, besonders in der Eucharistie und im Bußsakrament, unsere tägliche persönlichen und gemeinsamen Gebete und die Betrachtung der Heiligen Schrift sind ständige Quellen der Erneuerung und Umkehr (vgl. Normative Texte C13). Das Lesen von Zeitschriften, theologischen und spirituellen Büchern und damit verbundenen Themen sind weitere bedeutende Quellen der Erneuerung, die uns helfen, unser Charisma in d i e Zeit und Kultur zu inkarnieren, in der wir leben. Wir sind auch eingeladen, an Konferenzen, Workshops, Exerzitien, regionalen Zusammenkünften und Versammlungen der Kongregation teilzunehmen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und dadurch unsere eigene Identität und unseren Sendungsauftrag zu vertiefen. Das wird uns helfen, in einem gemeinsamen Unterscheidungsprozeß die Herausforderungen des Apostolats für uns heute zu erkennen. (vgl. NT C9).
Einige unserer Provinzen bieten als Quelle der Erneuerung Sabbatzeiten an. Eine Sabbatzeit ist eine besondere Zeit, in der ein Mitglied Abstand nehmen kann, der oft sehr nötig ist, um Geist, Seele und Herz zu erneuern und dann mit neuer Kraft seinen Weg weitergehen zu können. Nach einer Reihe von Jahren des apostolischen Einsatzes und des Lebens in Gemeinschaft kann die Vision oder der Traum, der am Anfang unseres Berufungsweges stand, glanzlos und trübe werden oder gar verloren gehen. Der Dienst kann zur Routine werden, zu einem Job, der eben getan werden muß, weil es Pflicht ist. Die Sabbatzeit ist eine Zeit, um den ursprünglichen Traum und die Vision wieder anzufachen und zu erneuern, eine Zeit, um die Freude am Ordensleben als Missionspriester oder Bruder wieder neu zu entdecken. Ich kann nur aufs dringendste allen Provinzen, Vikariaten und Missionen empfehlen, ernsthaft diese Möglichkeit der Weiterbildung zu erwägen als besondere Zeit, die Gnade Gottes in uns wieder zu entfachen (vgl. 2 Tim 1,6).
In
dieser Ausgabe
Die Autoren, die zu dieser Ausgabe von DER KELCH beigetragen haben, legen eine
Vielfalt von Perspektiven und Erfahrungen vor. P. Dionisio Alberca von der peruanischen
Mission beschreibt einige Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen,
wenn wir heute über Ausbildung sprechen. Er weist darauf hin, daß
unser Selbstverständnis, das wir von uns als Gesellschaft apostolischen
Lebens haben, auch den Weg beeinflussen wird, wie wir die Ausbildung angehen,
da sie unsere ureigene Identität berührt.
P. Dennis Chriszt von der Cincinnati Provinz schreibt über seine Erfahrungen der Mitarbeit in der Ausbildung in den Nordamerikanischen Provinzen und in den weiblichen Kongregationen vom Kostbaren Blut zusammen mit deren Ausbildungsleiterinnen. Er beschreibt auch, wie diese Mitarbeit auf den verschiedenen Ebenen der Ausbildung durchgeführt wird, angefangen von der Grundausbildung bis zur Weiterbildung sowie im Bereich der Ausbildung von Kandidaten aus verschiedenen Kulturen. Er klärt, daß Mitarbeit nicht einfach eine Arbeitsteilung bedeutet, bei der jeder einen gleichen Anteil zugeteilt bekommt, sondern daß damit Zusammenarbeit an einem Gruppenprojekt gemeint ist.
Wir werden auch über die Regula lesen und ihrer Bedeutung für unsere Zeit. P. Mario Brotini, Rektor des Seminars der Kongregation vom Kostbaren Blut in Rom, skizziert Elemente, die unserer Kongregation eigen sind, und versucht, unsere Originalität als Institut ins Licht zu heben. Das ist wichtig, denn die Kandidaten müssen unser geistliches Erbe kennen, das sie übernehmen und das ihnen anvertraut wird.
Dann haben wir zwei Erfahrungsberichte. P. Jim Urbanic von der Kansas City Provinz beschreibt seine Sabbatzeit als eine Zeit, in welcher er das, was sich in den 30 Jahren seines priesterlichen Wirkens ereignet hat, verstehen lernen und sich auf seinen neuen Dienst vorbereiten kann. Seine akademischen Studien an der Weston Theologieschule der Jesuiten finden in einer Atmosphäre statt, in der er mit Männern und Frauen anderer Religionsgemeinschaften zusammen ist und Austausch hat mit Personen aus verschiedenen apostolischen Bereichen. Er findet diese Vielfalt sehr bereichernd.
Der Student Emanuele Lupi von der italienischen Provinz hat seine formellen theologischen Studien unterbrochen und verbringt zwei Jahre in der peruanischen Mission, um Erfahrungen in einer anderen Kultur zu machen. Dort begegnet er der Herausforderung der Inkulturation und einer neuen Erfahrung von Gemeinschaftsleben. Er entdeckt, daß unsere Spiritualität und unser Charisma dieselbe Sprache haben, die uns eint, selbst wenn es verschiedene kulturelle Ausdrucksweisen gibt.
Schlußfolgerung
Eine der größten Sorgen des hl. Kaspar war die Erneuerung der Diener
der Kirche. Er sprach oft über die Notwendigkeit, daß die Missionare
sowohl "heilige als auch gut vorbereitete Männer sein müssen".
Er drängte seine Missionare: "Man muß seinen Tag sehr gut einteilen.
Wenn du Licht der Welt und Salz der Erde sein willst, dann mußt du die
Wissenschaft der Heiligen meditieren und studieren, was deinen Beruf betrifft.
In der Meditation wird dein Herz mit dem Feuer der Liebe Gottes erfüllt."
(Spirituelle Schriften, Band III, Nr. 262, Seite 100).
Durch das Nachdenken über die Artikel dieser Ausgabe von DER KELCH hoffe ich, daß wir uns alle fragen -- gemäß dem Wunsch des hl. Kaspar --, wie wir die Zeit einteilen, um die Flamme unserer Berufung ständig neu zu entfachen. Nur durch einen Prozeß der Weiterbildung werden wir imstande sein, kreativ zu antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit und die unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten, in die wir hineingestellt sind. Unser Gründungscharisma wird auf diese Weise ständig neu lebendig und so eine wertvolle und provokative Antwort sein auf die Nöte der heutigen Welt.
Herausforderungen
für die Kongregation vom Kostbaren Blut
hinsichtlich der Ausbildung in der Zukunft
von Dionisio Alberca G., C.PP.S.
Ausbildung
wofür?
Im Laufe der Geschichte haben sich das Verständnis und die Darstellung
unserer Identität als Kongregation vom Kostbaren Blut gewandelt. Zeitweise
wurde sie von der Perspektive des Ordenslebens im allgemeinen aus gesehen, mit
der wir uns fast gleichsetzten. Zu anderen Zeiten wurde sie von der Sicht des
Diözesanklerus aus interpretiert, so, als seien wir eigentlich nichts anderes.
Es ist klar, daß diese Sichtweisen für die Ausbildung Konsequenzen
hatten im Hinblick dessen, wer wir waren oder zu sein hofften.
Langes Nachdenken innerhalb unserer Kongregation und in der Kirche selbst haben uns zu einer viel klareren Sicht unserer Identität verholfen: Wir sind eine Gesellschaft apostolischen Lebens, die aus Priestern und Brüdern besteht. Folglich muß die Ausbildung sich darauf ausrichten.
Indem wir uns bemühen, dieses neue Selbstverständnis zu verstehen, sind wir zur selben Zeit konfrontiert mit tiefgreifenden und raschen Veränderungen in Gesellschaft und Kirche. Wir leben in einer Epoche des Wandels, die gekennzeichnet ist durch Phänomene wie neoliberale Ökonomie, Globalisation, Revolution in der Technologie der Kommunikation, Individualismus und Verlust leitender Paradigmen (oder Utopien). Hier geht es nicht um einige oberflächliche Veränderungen, sondern um eine neue Art von Gesellschaft, die dadurch charakterisiert ist, daß sie Zweidrittel der Menschheit ausschließt von Beschäftigung sowie von kulturellen, politischen und sozialen Gebieten: kurz vom Leben. Die globalisierte Gesellschaft und der Weltmarkt geben ihnen keine Möglichkeit, daran teilzunehmen, sie verurteilt die Mehrheit der Menschheit vielmehr zum Tod. All das stellt unser Apostolat vor schwierige Fragen und Herausforderungen und somit auch die Ausbildung für dieses Apostolat.
Wenn unsere Gesellschaft nicht mehr dieselbe wie früher ist, so ist es auch die Kirche nicht mehr. Wir sind nicht mehr dieselbe Kirche, die wir nach dem Zweiten Vaticanum und nach Medellin und Puebla waren. Wenn wir in das dritte Jahrtausend eintreten, dann liegen vor uns neue Bewegungen, neue Prioritäten und Wahlmöglichkeiten, neue Strukturen (und Rückkehr zu einigen alten), neue Perspektiven.
All das ist eine große Herausforderung für uns. Wie müssen wir unsere Identität in einem neuen gesellschaftlichen und kirchlichem Kontext leben?
Die Kongregation
vom Kostbaren Blut als eine Gesellschaft apostolischen Lebens
Drei Elemente kennzeichnen uns als Gesellschaft apostolischen Lebens: unsere
Sendung, auf die die übrige Struktur hingeordnet ist; das Leben in Gemeinschaft;
und eine Spiritualtiät, die sowohl unser Apostolat als auch unser Leben
in Gemeinschaft stützt.
Einige Prioritäten vermitteln uns einen Umriß über das Zusammenwirken dieser drei Elemente. Wir müssen uns darüber klar sein, besonders in unseren Ausbildungsprogrammen, daß das uns eigene Charisma unserer apostolischen Sendung die Art und Weise beeinflußt, wie wir sie ausführen und wie wir zusammen leben. Wir sind Missionare und widmen uns der Verkündigung des Wortes Gottes (C2, C3). Wir sind Missionare in verschiedenen Gebieten: in der Erstevangelisierung, im Aufbau der Kirche, in der Erneuerung der Kirche, in der Begleitung der Armen, Leidenden und Unterdrückten; im Aufbruch zu neuen Orten. Wir müssen uns bewußt sein, daß der Dienst am Wort verschiedene Formen hat: Verkündigung, Dialog, Inkulturation und Eintreten für Gerechtigkeit.
Unser Leben in Gemeinschaft wird vom Zusammenleben in der Liebe geprägt (C1). Das muß sich zeigen in einer Atmosphäre des Dialogs, des gegenseitigen Austausches unserer Träume und Zukunftsperspektiven, des Einsseins in unserer Sendung; in einer Atmosphäre des Willkommen-seins und der Gastfreundschaft; im prophetischen Zeugnis.
Schließlich müssen wir uns der biblischen Dimension einer Spiritualität über das Blut Christi zuwenden: Es ist das Blut des Bundes, das Blut des Kreuzes, das Blut der Versöhnung. Und das in einem gesellschaftlichen Kontext, in der unschuldiges Blut mehr als je vergossen wird.
In der Zusammenschau dieser Elemente und im Licht der Herausforderungen, die für uns darin liegen, müssen wir unsere Ausbildungsprogramme entwickeln, ohne den Schrei der Zeichen der Zeit zu ignorieren oder zu leugnen. Wie müssen wir unsere Identität in diesem neuen sozialen Kontext leben?
Herausforderungen
für die Ausbildung heute
Wir stehen vor Wirklichkeiten, die neue Antworten erfordern. Das heißt,
daß wir -- in Treue zur Wirklichkeit, zur apostolischen Sendung und zu
Gott -- viele Dinge neu durchdenken und ihnen in neuer Weise entgegentreten
müssen. Wir müssen der jüngeren Generation erlauben, ihre eigenen
Erfahrungen einzubringen und ihre eigene Antwort zu geben, wie es frühere
Generationen auch getan haben. Ich möchte einige dieser Herausforderungen
hervorheben, ohne endgültige Antworten zu geben. Ich weiß, daß
wir nur dann neue Wege entdecken werden, um auf die heutigen Herausforderungen
zu antworten, wenn wir die Erfahrung unserer jüngeren Mitglieder leben.
o
Ein fortdauernder und umfassender Prozeß
In unserer Kongregation, wenigstens in Peru, wird dem Postulat und der Kandidatur
viel Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist eine Zeit, die von grundlegender Bedeutung
ist und die behutsam durchschritten werden muß in enger Begleitung durch
den Ausbildungsleiter. Sich Gott ganz zu weihen setzt einen mühsamen Weg
voraus, der uns über uns selbst hinaushebt und von einer undefiniersten
Existenz in ein Mitglied der Gemeinschaft umformt. Es geht darum, nicht für
sich selbst zu leben, sondern für Gott und von Gott her, und zwar so, daß
das ganze Leben ins Spiel gebracht wird. Dieser Prozeß schreitet schrittweise
voran, immer in erfahrener Begleitung durch den Ausbildungsleiter, in ständigem
Prozeß der Unterscheidung der Geister, der dem jungen Menschen ermöglicht,
in seiner Antwort auf die Berufung zu reifen und sich mehr und mehr mit unserer
Kongregation zu identifizieren. Der Prozeß der Unterscheidung und die
Ausbildung müssen erfolgen im Dienst Gottes, der ein Gott des Lebens ist,
sowie für die Welt und die Kirche, und nicht im Hinblick auf die Werke,
die wir haben.
o
Option für die Armen
Die Option für die Armen ist in der Kirche heute ein unwiderrufliches Element.
Dieses evangelische Element, das von der Kirche in Lateinamerika neu entdeckt
wurde, ist heute Teil des Erbgutes der ganzen Kirche geworden und ist in verschiedener
Weise in das Lehramt der Kirche einbezogen. Aber es hat einige neue Aspekte,
die umgekehrt Herausforderungen an das Leben und an die Ausbildung heute sind.
Die Stellung der Armen hat sich geändert. Sie sind nicht weniger arm geworden, sondern erfahren im Gegenteil eine intensivere, wachsende Form von Armut. Wenn früher die Armut Formen der Unterdrückung zeigte, stellt sie sich heute dar im Ausschluß; wenn sie früher eine Folge der Ausbeutung der Arbeit war, besteht sie heute in Arbeitslosigkeit; wenn wir früher vom Kapitalismus der Abhängigkeit sprachen, sprechen wir heute von einem Kapitalismus des Ausschlusses.
Die Situation der Option für die Armen hat sich geändert. Vor Jahren war es etwas Neues, eine prophetische Alternative für das Leben und eine sehr starke Kraft, den eigenen Glauben zu leben. Heute ist die Situation anders. In einer mehr nach innen gerichteten und neo-konservativen Haltung in der Kirche ist Armut "offiziell" bejaht und bestätigt. Manchmal kann man eine gewisse Haltung von Ermüdung und Resignation feststellen.
Es ist eine Tatsache, daß die meisten jungen Männer, die in unsere Kongregation eintreten, aus ärmeren Schichten kommen. Die Option für die Armen fängt in ihrer eigenen Schicht an, bei ihren eigenen Leuten. Wenn in der Nachbarschaft der Ausbildungshäuser höhere Schichten wohnen, werden die jungen Männer mit einer Realität bestürmt, die sie von ihrer eigenen Herkunft, ihrer eigenen Kultur eher entfremdet. Wie kann man dem Studium seinen erforderlichen Platz geben, ohne auszuklammern, für das Leben einzutreten, das sie vor dem Eintritt in die Kongregation hatten? Wie kann jemand eine bessere intellektuelle Vorbereitung bekommen und gleichzeitig die Hingabe bewahren, die ihn angeregt hatte, dem armen Jesus unter den Armen zu folgen? Dies wird durch Ausbildungshäuser ermöglicht, die es gestatten, unter den Armen zu leben und dadurch die Option für die Armen konkret zu machen und nicht nur einfach darum zu wissen.
o
Inkulturation
In der Zukunft wird unsere Kongregation mehr aus Einheimischen bestehen, das
heißt, aus solchen, die aus den betreffenden Ländern selbst kommen.
Wie bilden wir heute die aus, die morgen unsere Kongregation in die Zukunft
führen werden?
Das Konzept, der Sinn und die Erfahrung von Inkulturation haben eine beachtliche Entwicklung erfahren. Vor Jahren mußte der Ausländer inkulturiert werden; heute müssen wir uns inkulturieren. Wir müssen das Konzept der Inkulturation erweitern. Das Wissen um multikulturelle Gegebenheiten ist gewachsen; wir müssen neue Kulturen entdecken und erkennen, daß keine Kultur in ihrer Reinheit besteht, sondern daß die Kulturen immer mit anderen vermischt sind und einander beeinflussen.
Das bedeutet, daß der Missionar triumphalistische und messinanistische Haltungen aufgeben und demütiger und brüderlicher werden muß, einer, der fähig ist, mit anderen zusammenzuleben. Dafür ist ein mehr sehendes Herz wichtiger als eine zu überzeugte Redegabe. Ich muß zulassen, daß der andere mir das Evangelium verkündet, mich überrascht und herausfordert. Man muß Christus in den anderen entdecken. Die Missionare werden in fruchtbarem Dialog mit den Leuten gemeinsam mit ihnen zu Christen finden.
o
Die Erfahrung Gottes und die Spiritualität vom Blut Christi
All diese Dinge können nicht bestehen ohne eine neue Erfahrung von Gott:
vom Gott des Exodus, der in unserer Situation jetzt und in der Geschichte gegenwärtig
ist; vom Gott, der inmitten der Leute Mensch wird, vom Gott des Bundes, vom
Gott des Lebens und des Vaters aller. Gott hat die Armen erwählt als den
bevorzugten Ort seiner Gegenwart. Es ist kein Gott der Macht, sondern einer,
der sich von Menschen ausschließen und manipulieren läßt.
Wenn wir das Blut des Bundes mit den Menschen leben, leben wir mit ihnen zugleich das Blut des Kreuzes -- das Blut unschuldiger Opfer, das durch die Hand Mächtiger vergossen wird, denn hier ist es, wo Gott in einem System von Macht auf der Seite der Opfer steht.
Es ist auch das Blut des Auferstandenen, des Herrn und Christus. Es ist das Blut der Versöhnung, das wegen der Option für die Armen bis zum Tod die Perversität des Systems enthüllt und eine neue Ordnung schenkt, die gerecht und brüderlich ist.
Junge Männer kommen mit dem Gottesbild ihrer Kindheit, das nicht übereinstimmt mit dem Gottesbild, das aus der Spiritualität des Blutes Christi erwächst. Wie kann man junge Menschen formen, daß sie in diese Gotteserfahrung hineinreifen?
o
Leben in Gemeinschaft, getragen vom Band der Liebe
Wir sind berufen, unsere Sendung durch ein Leben in Gemeinschaft zu vollziehen.
Das stellt uns vor große Herausforderungen. Ausbildung zum Leben in Gemeinschaft
meint, geformt zu werden, neue Formen menschlicher Beziehung einzubringen (Ap.
2,44), die nicht auf Macht, Isolation, Bequemlichkeit, eigene Launen, Ausschließung
und Individualismus gründen, sondern vielmehr auf Dialog, Dienst, Gleichheit,
Gerechtigkeit, Solidarität und Gastfreundschaft. Unsere Gemeinschaft wird
geprägt vom Band der Liebe.
Wir sind auch eine Gemeinschaft für das Apostolat. Wir kommen nicht zusammen
für unsere eigene Genugtuung oder unseren eigenen Vorteil und unsere eigene
Bequemlichkeit. Wie sind eine Gemeinschaft, die sich senden läßt.
Wir sind keine geschlossenen Gemeinschaften, die sich um sich selbst drehen
und nur für sich selbst da sind. Wir sind vielmehr Gemeinschaften, die
nach draußen hin ausgerichtet sind, auf andere hin, die für andere
leben wollen wie die Dreifaltigkeit selbst.
Wie formen wir junge Leute, daß für sie der apostolische Dienst die
Achse ist, um die sich das Gemeinschaftsleben dreht?
o
Ausbildung der Affektivität
Wir können nicht leugnen, daß die Affektivität ein großes
Problem in unserem Leben ist. Oft sind Priester und Brüder geformt worden,
ihre Sexualität zu unterdrücken oder zu verneinen, um so den Zölibat
zu leben. Wenn nicht anerkannt wird, daß die Sexualität ein integrierender
Bestandteil unseres Seins ist, kann das zu unbewußten Reaktionen führen,
die das Personsein zerstören.
Es ist wichtig, unsere eigene Sexualität zu kennen, anzunehmen und zu integrieren. Sie ist eine Quelle der Kraft, der Kreativität, der Beziehungsfähigkeit, der Offenheit, aus sich selbst herauszugehen. Sie bereichert uns und macht uns zu einem wahren Ebenbild Gottes. Wir glauben, daß das Leben in Gemeinschaft ein wichtiges Element ist diesem Punkt der Ausbildung ist wie auch die Hingabe an den apostolischen Dienst, wodurch kreative und affektive Kräfte freigesetzt werden. Es ist gleicherweise wichtig, die jungen Menschen zu ausdrücklicher Option für das Zölibat zu formen, denn oft wird die Option für das Apostolat zu sehr herausgehoben, für die der Zölibat dann nur als eine Bedingung betrachtet wird.
Schlußfolgerung
Ich habe einige der Herausforderungen dargelegt, mit denen wir in der Ausbildung
konfrontiert werden. Wie schon zu Anfang gesagt, habe ich nicht alle Antworten,
aber ich suche danach, wie wir auf die neuen Gegebenheiten anworten können.
In der Arbeit mit jungen Menschen in der Ausbildung ist es wichtig, ihnen nicht
die eigenen Erfahrungen und Erklärungen aufzuerlegen, sondern zu lernen,
mit den Auszubildenden auf die Suche zu gehen.
ZUSAMMENARBEIT
UND DER DIENST DER INKORPORATION
von Dennis Chriszt, C.PP.S.
Zusammenarbeit
kostet Zeit. Kostet Arbeit. Kostet Geduld. Aber welch ein Segen ist sie!
Vor fünf Jahren, als ich meine Studien für das Doktorat an der "Catholic
Theological Union" (= CTU) begann, war die Klasse in drei Gruppen eingeteilt.
Jede Gruppe sollte für eine dreistündige Präsentation zusammenarbeiten.
Nach der zweiten Präsentation ging ungefähr die Hälfte der Klasse
zu einem benachbarten Restaurant, um etwas zu essen. Während wir zusammensaßen,
sagte jemand, daß die drei Präsentationen eine wunderbare Erfahrung
von Zusammenarbeit gewesen seien. Ich war erstaunt und schockiert, daß
jemand auch nur denken konnte, daß das, was wir erfahren hatten, in irgendeiner
Weise etwas mit Zusammenarbeit zu tun gehabt hatte. Die Sitzung war in vier
gleich lange Perioden aufgeteilt worden, einer leitete jeweils einen Sitzungsabschnitt.
Alles drehte sich um dasselbe Thema, aber im ganzen waren die Präsentationen
ziemlich unverbunden. Dann sagte ich -- niemand wollte den schrecklichen Satz
hören: "Das war keine Zusammenarbeit! Das war 'trennen (entzweien)
und siegen'!"
Zusammenarbeit ist nicht einfach eine Aufteilung der Arbeit in gleiche Teile,
so daß jeder seinen fairen Anteil bekommt. Zusammenarbeit meint, zusammen
arbeiten. Im Laufe der Zeit lernten wir zusammenzuarbeiten, Ideen auszutauschen,
Projekte anzugehen, bei denen jeder so einbezogen war, daß niemand erkennen
konnte, wo sein Beitrag anfing oder endete. Zusammenarbeit ist ein Gruppenprojekt,
bei dem die ganze Gruppe mitwirkt. Das ist nicht so leicht wie teilen und siegen.
Zusammenarbeit kostet Zeit. Kostet Arbeit. Kostet Geduld. Aber welch ein Segen
ist sie!
Zusammenarbeit
unter den Nordamerikanischen Provinzen der C.PP.S.
Vor fünf Jahren kam der interprovinziale beratende Ausschuß der Ausbildung
(Interprovincial Formation Advisory Council) zum üblichen Treffen im Herbst
zusammen. Ausbildungsleiter der vier Nordamerikanischen Provinzen der Missionare
vom Kostbaren Blut trafen sich in Chicago. Die meisten von uns waren zum ersten
Mal anwesend. Ursprünglich war die Gruppe für die Erstellung eines
gemeinsamen Ausbildungsprogramms der vier Provinzen gebildet worden. Einige
hatten die Hoffnung, daß wir uns für ein Ausbildungshaus in den ersten
Stufen der Ausbildung, für ein besonderes Ausbildungsprogramm und für
ein Haus der Weiterbildung entscheiden würden. Zu der Zeit hatten wir tatsächlich
ein Ausbildungshaus im Rockhurst College in Kansas City, Missouri. Ebenso kamen
die Kandidaten zwei Sommer für ein besonderes Ausbildungsprogramm zusammen,
das der Vertiefung der Geschichte, des Charismas, der Sendung, des Apostolates
und der Spiritualität der Missionare vom Kostbaren Blut diente. Einige
Provinzen hatten über 20 Jahre in den Ausbildungsprogrammen während
der Sommermonate und im theologischen Seminar an der "Catholic Theological
Union" zusammengearbeitet.
Während der Besprechungen wurde ganz bald offensichtlich, daß die Richtlinien, nach denen wir arbeiteten, einer Revision bedurften. Wir konnten nicht ahnen, daß es fünf Jahre und unzählige Stunden dauern und eine Unmenge von Papierbogen kosten würde, bis wir schließlich den endgültigen Text der Richtlinien vorlegen konnten, die für unsere Zusammenarbeit richtungweisend sein sollten. Zu der Zeit ahnten wir auch nicht, daß aus dem einen Ausbildungshaus vier getrennte werden würden, in jeder Provinz eines. Zu der Zeit, als die Richtlinien fertig waren, hatten wir mehr Leute in den Dienst der Ausbildung und der Berufspastoral einbezogen, nicht weniger. Wir hatten gelernt, zusammenzuarbeiten.
Wir hatten nicht nur bei der Überarbeitung der Richtlinien zusammengearbeitet, sondern uns auch um ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich der Art und Weise der Inkorporation in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut bemüht. Wir gewannen tiefere Einsicht in unsere Spiritualität, unsere Geschichte und in unser Charisma. Indem wir unsere Kandidaten für die Grundausbildung nicht mehr alle in dasselbe Haus schickten, wurden wir uns mehr der gemeinsamen Werte bewußt, die in jedem der Häuser auf das eine gemeinsame Ziel ausgerichtet waren, junge Männer in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut zu integrieren. Wir sahen, daß Zusammenarbeit nicht bedeutet, unter demselben Dach zu leben. Vielmerh geht es darum, über gemeinsame Sorgen, den gemeinsamen Glauben, die gemeinsame Spiritualität und das Verständnis der Sendung der Kongregation miteinander zu sprechen. Das nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Es kostete harte Arbeit. Es kostete Geduld. Aber welch ein Segen lag darin!
Auf dem Weg lernten wir eine Menge. Wir lernten, daß Zusammenarbeit nicht notwendigerweise bedeutet, daß wir alle dasselbe in derselben Art und Weise tun. Wir lernten, daß jede Provinz, und jedes Mitglied seine Erkenntnisse und Gaben in den ganzen Prozeß einbringt. Wir lernten, daß Zusammenarbeit manchmal schmerzvoll ist. Zuweilen waren wir in einer Weise herausgefordert, die wir niemals erwartet hätten. Wir lernten, daß Ausbildung Inkorporation bedeutetet und nicht, Männer nach vorgefaßten Formen auszubilden. Ausbildung bedeutet, sie mit ihren Stärken und Schwächen in unsere Kongregation aufzunehmen, in eine Gemeinschaft, die aus Männern besteht, die selbst Gebrochenheit und Schmerz erfahren haben. Wir erkannten immer mehr, was es bedeutet, den einen Kelch zu teilen, den Kelch der Freiheit und den Kelch des Leidens. Wir lernten Versöhnung, Vergebung und Brücken bauen über Trennungen hinweg, die uns lange Zeit zu weit auseinanderzuliegen schienen, als daß sie hätten jemals verbunden werden können. Wir lernten, daß unsere Spiritualität uns auffordert, Grenzen zu überschreiten, die uns noch von Provinz zu Provinz und auf verschiedenen Ebenen der Ausbildung trennen. Wir müssen sehen lernen, daß wir alle Teil einer Gemeinschaft, einer Kirche sind, Menschen, vom Blut Christi erlöst. Wir lachten und lernten zusammen, wir freuten uns und von Zeit zu Zeit weinten wir auch. Wir beteten zusammen, und zuweilen kamen wir auch zum Spiel zusammen. Einige der Projekte, die wir unternahmen, hätten leichter und wirksamer allein durchgeführt werden können, aber dann hätten wir die vielen Gelegenheiten verpaßt, die wir hatten, um wahrzunehmen, daß das Blut uns zusammengerufen hatte.
Durch all die Begegnungen, in die die Mitglieder aller Provinzen einbezogen waren, wissen wir nun mehr über uns selbst, über andere, über die Kostbarkeit des Blutes Christi, das in jeder Person, jeder Provinz und in jeder Gemeinschaft fließt und das uns zur Familie des Kostbaren Blutes macht.
Zusammenarbeit
der Kongregationen vom Kostbaren Blut
Vor vier Jahren traf sich eine Gruppe von Ausbildungsleitern der Missionare
vom Kostbaren Blut, die an der Konferenz für Ordensausbildung teilnahmen,
beim Lunch. Während dieses Zusammenseins wurde die "Precious Blood
Vocation Formation Conference" geboren. Die Ausbildungsleiter der vier
Provinzen der Missionare vom Kostbaren Blut, die Ausbildungsleiterinnen von
den drei Provinzen der Anbeterinnen des Blutes Christi und der Schwestern vom
Kostbaren Blut von Dayton und der Schwestern vom Kostbaren Blut von O'Fallon
treffen sich seitdem jährlich zum Austausch über unsere Spiritualität,
unsere Hoffnungen und Träume, was uns hilft, sehr konkret zu erkennen,
daß wir Teil der Bewegung des Geistes in der Welt von heute sind.
Diese Beziehung untereinander, die in der "Precious Blood Vocation Formation Conference" ihren Ursprung hat, gibt den Kandidaten die Möglichkeit, nicht nur Mitglieder ihrer eigenen Provinz und der anderen Provinzen der Missionare vom Kostbaren Blut zu hören, sondern auch Zeugnisse junger Ordensfrauen von den Anbeterinnen des Blutes Christi und der Schwestern vom Kostbaren Blut -- Kongregationen in den Vereinigten Staaten. Sie erfahren etwas über die gemeinsame Geschichte, das gemeinsame Charisma und die Spiritualität in einer Weise, von der die Mitglieder nie geträumt hätten. Während der interprovinzialen Ausbildungsprogramme im Sommer (als Teil der besonderen Ausbildung) besuchen die Kandidaten die Häuser der weiblichen Ordensgemeinschaften. Sie treffen deren Kandidatinnen und andere Mitglieder und erfahren deren Geschichte. Sie sehen, wie Gott in ihren apostolischen Aufgabenbereichen anwesend ist als auch in ihrem Ringen, die Spiritualität vom Kostbaren Blut zu leben. Sie entdecken den Reichtum unseres Charismas im Dialog mit anderen, die im Kostbaren Blut Christi die Quelle ihrer Berufung finden.
Zusammenarbeit
im Austausch mit verschiedenen Kulturen
Der interprovinziale beratende Ausschuß der Ausbildung hat auch ein Programm
entwickelt, das Mitglieder verschiedener Kulturen zusammenführt. Das ist
für die Kandidaten der Nordamerikanischen Provinzen eine Gelegenheit, in
der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen eine persönliche Wandlung
zu erfahren. Indem wir Beziehungen mit Mitgliedern in anderen Provinzen, Vikariaten
und Missionen unserer Kongregation pflegen, haben wir Gelegenheit, eine internationale
Perspektive zu gewinnen und in unserer Identität vom Kostbaren Blut zu
wachsen. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder des interprovinzialen beratenden
Ausschusses der Ausbildung entschieden, auch die Anbeterinnen des Blutes Christi
und die Schwestern vom Kostbaren Blut einzuladen, sich an diesem Programm zu
beteiligen. Dieses neue Programm soll vom 15 Juni bis zum 15. Juli 1999 in Zusammenarbeit
mit Mitgliedern aus verschiedenen Kulturkreisen an der Fakultät der "Catholic
Theological Union" stattfinden. Es wird mit einer viertägigen Orientation
in Chicago beginnen.
Für drei Wochen werden die Kandidaten dann in einem Konvent in einer unserer Missionen leben. Dies hilft sowohl den Ausbildungsleitern wie den Kandidaten, über internationale Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Acht bis zehn Kandidaten der männlichen wie der weiblichen Kongregationen vom Kostbaren Blut werden voraussichtlich an diesem Programm teilnehmen. Ein Leiter und drei Kandidaten werden in der Zeit zusammen sein, um die Kultur des Landes und einige der Mitglieder der Kongregation vor Ort kennenzulernen. Sie werden Einblick nehmen in das Apostolat und den Schrei des Blutes an Orten hören, die weit von der Heimat entfernt liegen. Wenn sie dann zu den Vereinigten Staaten zurückkehren, werden alle Teilnehmer in Chicago zu einem viertägigen Seminar zusammenkommen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Erfahrungen auszutauschen und sie in Leben der Gemeinschaft und der Spiritualität vom Kostbaren Blut zu integrieren.
Als die Mitglieder des interprovinzialen beratenden Ausschusses für Ausbildung dieses interkulturelle Ausbildungsprogramm entwickelten, dachten einige von uns daran, wie wir die Aufnahme von Kandidaten aus anderen Provinzen in unserer Provinz erfahren haben. Wir hoffen, daß während der nächsten Zusammenkunft der Ausbildungsleiter der ganzen Kongregation beraten wird, wie wir zukünftig Kandidaten aufnehmen können, die für eine Zeit zu uns kommen. Das wird Zeit kosten. Das wird Geduld erfordern. Aber welch ein Segen wird daraus erwachsen!
Zusammenarbeit
in theologischen Studien
Zusammenarbeit in der Ausbildung ist für uns nicht neu. Kurz nachdem das
St. Charles-Seminar als Schule der Theologie im Jahre 1969 geschlossen wurde,
kamen die Kandidaten der Provinzen in Cincinnati und Kansas City für ihre
Studien nach Chicago zur "Catholic Theological Union". Von Anfang
an war CTU ein gemeinsames Projekt von Kandidaten, der Fakultät und dem
Lehrkörper verschiedener Ordensgemeinschaften, um theologisch und apostolisch
für die Zukunft der Kirche auszubilden. Heute ist die CTU die größte
Schule der Theologie in Nordamerika, die Männer und Frauen für das
Apostolat ausbildet. Über 30 männliche Ordensgemeinschaften senden
ihre Kandidaten zur CTU. Einer von sechs Ordenspriestern in den USA graduierte
an der CTU.
Die Provinz von Cincinnati und Kansas City sind von Anfang an in dieses gemeinsame Bemühen der CTU einbezogen. Unsere Kandidaten arbeiten mit Männern und Frauen, Ordensleuten und Laien zusammen, die Theologie studieren und sich für den Dienst in der Kirche vorbereiten.
Ausbildungsleiter männlicher Gemeinschaften treffen sich regelmäßig, um ihre Befürchtungen auszutauschen und voneinander zu lernen sowie sich gegenseitig in dieser Aufgabe zu stützen. Die Verantwortlichen der Studenten sind mit Männern und Frauen verschiedener Herkunft zusammen und lernen den Wert der Zusammenarbeit um der Sache des Reiches Gottes willen. Fakultät, Ausbildungsleiter, Kandidaten, Studenten, Priester und Leute der Ortskirche arbeiten in den verschiedenen Gebieten zusammen. In aller Vielfalt richten sie sich nach dem einen Ziel aus, die Gute Nachricht einer Welt zu verkünden, die sehr oft gute Nachrichten braucht.
Jedes Mal, wenn
wir zammenarbeiten und uns dafür Zeit und Geduld nehmen, erfahren wir,
daß Christus in unserer Mittel gegenwärtig ist. Wir hören den
Ruf des Blutes in unserer Welt. Er fordert uns heraus, Barrieren niederzureißen,
Grenzen zu überschreiten und Zeugnis zu geben vom Blut Christi, das in
unser aller Venen fließt.
Zusammenarbeit.: Sie kostet Zeit, sie kostet Arbeit, sie kostet Geduld. Aber
welch ein Segen liegt darin!
VON
DER "REGULA" BIS IN UNSERE ZEIT
von Mario Brotini, C.PP.S.
Ein
Stück Geschichte
Für uns Missionare gilt der 15. August 1815 als Gründungstag unserer
Kongregation. Es war der Tag, an welchem Gaspar Del Bufalo und seine Gefährten
den Anfang ihrer Missionstätigkeit setzten. Seit seiner Zeit im Gefängnis
hatte dieser Plan immer größere Festigkeit angenommen.
Aber die Gründung eines Instituts zieht sich über einen bestimmten Zeitraum hin, in welchem die notwendigen juridischen Schritte getan werden müssen. Die Approbation eines Institutes erforderte gemäß dem Kodex des Kanonischen Rechts zu der Zeit einen Weg von zwei beziehungsweise drei Schritten. Einen ersten Schritt der Beglaubigung können wir in der Korrespondenz und der Konzession von Pius VII. aus dem Haus der Giano dell'Umbria sehen sowie in einigen Erlassen der Ritenkongregation. Der zweite Schritt war das Dekret "Sacerdos" vom 17. Dezember 1841, mit welchem die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut die Laudation erhielt und die Konstitutionen, das heißt die Regula, endgültig approbiert wurden, ohne an dieser Stelle den Zeitraum zu nennen, in der die Konstitutionen "ad experimentum" gelebt wurden, was schon zu damaliger Zeit ein normaler Ablauf war. Das Dekret "Sacerdos" vom 17. Dezember 1841 (von der Kongregation für die Bischöfe und Regularkleriker, wie man sie damals nannte), ist also die offizielle Approbation der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut, mit dem sie in den Schoß der katholischen Kirche aufgenommen wurden.
Einige Autoritäten am Heiligen Stuhl gerieten in Unsicherheit angesichts der Tatsache, daß die Mitglieder keine Gelübde ablegten. Den Mitbrüdern wurde mitgeteilt, daß sie als fromme Vereinigung unter der Jurisdiktion der Bischöfe ständen und daß sie keine richtige Ordensgemeinschaft seien, da sie keine Gelübde hätten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte man sich ernsthaft mit den Instituten ohne Gelübde auseinander und mit der Möglichkeit, einen Ordinarius zu haben und die Mitglieder mit allen Wirkungen, die einem Institut gegeben sind, zu inkorporieren. Mit dem Kodex von 1917 wurde das Ganze noch klarer.
Zur Regel gehörte ursprünglich die "Praxis", das heißt, die Hinzufügung einer Interpretation. Rizzoli ließ sie im Jahre 1881 neu drucken. Einige Dokumente in unseren Archiven tragen der internen Versuchung jener Zeit Rechnung, die Richtung unseres Instituts zu revidieren und eventuell die Ablegung von Gelübden einzuführen und so aus unserem Institut eine richtige Ordensgemeinschaft zu machen. Aber Rizzoli, der vierte Generalobere, blieb der Linie des Gründers Gaspar und seines Nachfolgers Merlini treu.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und dann mit dem neuen Kodex von 1917 gab es viele Initiativen seitens des Heiligen Stuhles, alle Vorschriften der verschiedenen Institute neu zu regeln mit dem Zweck, daß jedes Institut sein sogenanntes "Eigenrecht" haben sollte. Aber es gab keine allgemeinen Vorschriften. Es setzte ein Prozeß der Überarbeitung der Regula ein, der erst am 1. Juli 1964 endete! Nach dem Konzil und mit dem Kodex von 1983 mußte die Arbeit der Revision wieder aufgenommen werden. Das Ergebnis liegt und in der jetzigen Form der Konstitutionen der C.PP.S. vor.
Heute ist es für jedes Institut dringend nötig, daß es neu auf die ursprüngliche Regel Bezug nimmt, da in ihr und in den Konstitutionen ein Weg der Nachfolge enthalten ist, der von einem eigenen, bestimmten, von der Kirche beglaubigten Charisma gekennzeichnet ist. Eine stärkere Beachtung der Regula wird es nicht versäumen, uns sichere Kriterien anzubieten auf der Suche nach geeigneten Formen eines Zeugnisses, das auf die Forderungen der Zeit zu antworten imstande ist, ohne sich von der Anfangsinspiration zu entfernen. (vgl. Vita Consecrata, 37)
Eine Berufung innerhalb der Berufung
Der Kern der Regula liegt in den ersten sechs Artikeln "De fine Congregationi
proposito." Obwohl die Approbation erst nach dem Tod des Gründers
erfolgte, glauben wir, daß diese Artikel die Jahre des Gemeinschaftslebens
und des apostolischen Lebens zusammenfassen. Und obwohl das Werk von Gaspar
in nicht geringem Ausmaß von der Erneuerung des Papsttums in der Zeit
nach Napoleon beeinflußt wurde, sind wir der Ansicht, daß es das
Geheimnis seiner Liebe zur Kirche enthält, einer Liebe, die zu einer Berufung
innerhalb der Berufung wurde, nämlich als Priester Missionar zu sein. Wir
müssen uns in Erinnerung rufen (Art. 1), daß die Missionare zum Säkularklerus
gerechnet wurden und ihr Apostolat und ihr ganzes Leben von den Vorschriften
bestimmt wurde, die allgemein für die Priester galten. Das sehen wir auch
in dem juridischen Status der Mitglieder zu jener Zeit, der sich von dem der
Ordenspriester sehr genau abhob. Das Ziel war nicht nur die Suche der eigenen
Vervollkommnung, sondern auch die Sorge um das Heil anderer. Der Zweck der Kongregation
war gekennzeichnet vom Apostolat und nicht von einem Leben, das sich von der
Welt zurückzieht. Den Mitgliedern oblagen dieselben Verpflichtungen, wie
sie die Diözesanpriester haben und waren hauptsächlich ausgerichtet
auf "heilige Expeditionem, Mission genannt", und auf geistliche Exerzitien
(Artikel 2). Der normale Priesterstand war deshalb der Ansatzpunkt und nicht
der Endpunkt. Artikel 3 bringt dasselbe in eine andere Perspektive: Es geht
hier um die Notwendigkeit, nicht solche Verpflichtungen einzugehen, die im Gegensatz
zur Mobilität und Solidarität mit dem Apostolat der Kongregation stehen.
Sie sollten Diözesanpriester sein, die keine Inkardination außerhalb ihres Standes brauchten. Das Band der Liebe und nicht die Bindung an Gelübden bestimmte die Treue zu diesem Dienst -- etwas, was andere Institute vermieden hatten. So bewahrten sie ihre Freiheit, ohne sich zur Klausur, zum Chorgebet und anderes mehr zu verpflichten. Die Gesellschaft als ganze entwickelte sich: Industrialisierung, Veränderungen, bessere Ausbildung Ein zu striktes Verständnis von Armut erleichterte nicht das Handeln in dieser neuen Welt, und Gaspar verstand die Notwendigkeit einer größeren Flexibilität.
Die Regula enthält deshalb im wesentlichen das, was für den Diözesanklerus gilt. Da sie nicht zu Gelübden und anderen Bindungen verpflichtet, kann sie den Glaubensdialog in den Brennpunkt rücken und der Begegnung mit der Welt Vorrang geben. Das Geheimnis des Blutes Christi und andere Aspekte der Spiritualität, die immer im ersten Teil der Regula standen, bedeutete für dieses besondere Apostolat eine große Motivation, die wir meines Erachtens noch längst nicht in ihrer Tiefe verstanden haben.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert war die Mehrheit der Mitglieder durch eine Vielfalt von Verfahren an die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut gebunden. Als sie nach einigen Jahrzehnten endgültig kanonisch anerkannt waren, hatten sie ihre Ursprungsdiözese verloren. Historische Ereignisse hatten unser Institut -- wie andere auch -- modifiziert und es vergrößert: neue apostolische Tätigkeiten, ausländische Missionen, Pfarreien. Diese Gaben an die Kirche haben auch den Horizont unserer Arbeit erweitert. Die Folge aber war, daß die charakteristische Eigenart der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut gegenüber anderen Berufungen geschwächt wurde. Verschiedene Dokumente, angefangen vom Zweiten Vatikanum, laden ein, die Treue zum Wesen, Ziel, Geist und zur Besonderheit des Instituts neu zu entdecken. Das wird gerade in der Ausbildung immer wieder betont, wenn es darum geht, die Kandidaten in die Tiefe unseres Erbes einzuführen, welches sie übernehmen wollen.
Wenn infolge geschichtlicher Wandlungen die Zahl der Mitglieder abnimmt, glaube ich, daß es eine der Versuchungen ist, sich mehr auf das Überleben des Instituts zu konzentieren als auf seine apostolische Kraft. Einige haben in der Tat das ursprüngliche Charisma um des Überleben willen geopfert. Aber die Folge ist, daß wir unsere eigene Originalität verlieren und so die Klärung einer Berufung verdunkeln.
In unserer Kongregation, wenigstens hier in Italien, gilt ein lebhaftes Interesse nicht nur der Erhaltung der Werke, sondern auch der Entwicklung einer Art derer Management. Könnte das Priestertum, wie es dem Diözesanpriester entspricht, junge Männer heute dazu führen, sich uns anzuschließen? Oder erwarten sie, daß unser Sein als Priester eine mehr provokative Rolle im Kontext der Evangelisierung einnimmt? Die institutionale Struktur kann, wenn sie sich ändert, inkulturieren und es relevanter machen, aber sie kann auch die Vision des Gründers schwächen.
Die
Begegnung mit dem Wort Gottes
Die Regula hebt ein Grundelement des Christen hervor, das unsere Zeit zu beseitigen
scheint: die Begegnung mit dem Wort Gottes. Selbst die in der Ausbildung, die
noch nicht Priester sind, verstehen die Macht des Wortes Gottes und die Kraft
der Auferstehung, die jedes Mal wirksam ist, wenn es gelingt, es in einem, der
geistlich tot war, zu inkarnieren. Dieser außergewöhnliche Dienst
gründet sich auf die Präsentation des Geheimnisses Christi: wir sprechen
nicht nur über Gott, sondern zu Gott. Das Risiko ist stattdessen, daß
wir es eingewickelt lassen, daß wir es lassen, wie es ist, eingebunden
in all seine Hüllen. Zur Zeit Gaspars war der Missionar ein Ereignis. Selbst
wenn diese Gegebenheiten heute nicht wiederholt werden können, glaube ich,
daß das Team der Missionare und das Missionshaus Bezugspunkte sein können
für die, die im (Glaubens-) Geist schwanken. Wenn sie einen Missionar trafen,
begegneten sie einer menschlichen Person. Das ganze war nicht eine Summe des
Einsatzes eines jeden einzelnen, sondern die Frucht von Zusammenarbeit. Davon
können wir ableiten, daß wir nicht allein sind, sondern daß
wir in unserem Haus und in unserem Werk Gefährten haben. Wir sind nicht
gesandt, eine Ideologie zu verkaufen, sondern, falls es sie gibt, unsere Gemeinschaft
und unser Zusammenleben.
In den folgenden Abschnitten der Regula, in denen es um die Ausbildung der Missionare geht, wird sehr genau und deutlich gesagt, daß sie gut vorbereitet werden müssen, um für andere ein Segen sein zu können. Auch die heutige Zeit wünscht, daß wir gut vorbereitet sind, aber mit dem Risiko, ausgepumpt zu werden im Perfektionismus. Das Kostbare Blut für ist uns und für alle vergossen worden, daß heißt, für uns als Person und nicht nur für die Denkweise einer Person. Unglücklicherweise riskierten wir, daß man ungeachtet an uns vorbeigeht trotz der Hilfe von Massenmedien, Pamphlets, Internet. Pastoralmethoden, die darauf basieren, mit Macht zu überzeugen, tragen keine Frucht, und bloße Ideen erreichen keine Bekehrung. Zuweilen scheint es, daß das einzige Zeugnis, das heute überzeugt, in der Fähigkeit zur Zusammenarbeit in Gemeinschaft liegt, denn das Übel in unserer Welt ist der Individualismus.
Unsere
Armut
Es gibt eine pastorale Perspektive, die in den Köpfen derer herumgeht,
die immer noch glauben, daß der Verwaltung der Sakramente und der Katechese
der bevorzugte Platz einzuräumen ist. Und es gibt die andere pastorale
Sicht, die Hoffnung wecken möchte in denen, die sich entfremdet haben und
die nicht mehr glauben. Die Regula wertet die erste nicht ab, aber sie schenkt
der zweiten eine großherzige Beachtung. Die liebende Beziehung allein
ist Garant der Belohnung im apostolischen Dienst und seiner Fruchtbarkeit. Es
ist eine Form von Armut, die nichts zu verlieren hatte und erlaubte, alles aufs
Spiel zu setzen. Das einzige, was vom Missionar verlangt wurde, war seine Hingabe
an die, die Gott wiederfinden mußten. Diese liebende Hingabe war das einzige
Band und die treibende Macht der "Kongregation" im Sinne von Gaspar.
Und es war auch ein wahrer Test an die Treue zum Institut: diejenigen, die es
nicht konnten, waren schnell wie ein Fisch ohne Wasser! Man hat den Eindruck,
daß das Institut gegründet wurde durch den Dynamismus seiner apostolischen
Tätigkeit. Später mußte die institutionelle Dimension das Fehlen
der anfänglichen Eifers ersetzen.
In unserer Geschichte ist verschiedentlich versucht worden, aus uns ein Ordensinstitut mit Gelübden zu machen. Aber die Gelübde sind ein Mittel für die persönliche Heiligung, und dies ist nur ein Teil der missionarischen Vision, die wir in den ersten Artikeln der Regula finden. Der andere Teil, die Heiligung anderer, erfordert den Geist der Liebe, die in aller Freiheit gibt.
Die
bleibende Bedeutung der Regula
Fast alle unsere Missionare, die in unser Institut eingetreten sind, haben mit
einer Ausbildungszeit begonnen, die ihnen alles Traditionelle mitgab. Unsere
Vergangenheit ist ein Erbe, das die ersten Missionare nur antizipieren konnten.
Bei einem fingierten Dialog zwischen uns und unseren Gründern, einem Dialog
unter denen "an der Arbeit", glaube bin, daß die Regula der
Verhandlungstisch sein könnte, an welchem wir über unsere geschichtlichen
Erfahrungen und die damit verbundenen Risiken sprechen könnten sowie über
den Mut, den es kostete, zu den ersten Missionaren vom Kostbaren Blut zu gehören.
Wenn man sich inmitten junger Männer befindet, die in der Ausbildung stehen,
ist es so, als ob derselbe Geist der Gründer wieder da ist, der in ihnen
lebt: der Geist der Einfachheit und des Mutes, der Entschiedenheit und zuweilen
der Vorurteilslosigkeit. Die, die mit den Jahren weise geworden sind, wägen
alles genau ab, aber wer weiß, ob sie die Kraft haben würden, etwas
Neues zu beginnen. Jede Regel ist die Frucht der Neuheit des Geistes.
Ich glaube, daß die Regula wenigstens in den ersten Abschnitten seinen Wert behält. Wenn etwas nicht mehr in unsere Zeit paßt, sind wir es, die die Regula beobachten. Weil eben die Regula ein Werk Gottes ist, trägt ihr wesentlicher Teil den Geschmack des Schwierigen und des Opfers, der uns nicht immer paßt. Die missionarische Methode lassen wir hier außer acht, sie kann auf viele Gegebenheiten angepaßt werden. Aber die Regula bleibt in ihrer Sichtweise des Apostolats gültig, einer Sichtweise, in der es um die Frage nach dem Heil der Menschheit geht. Denn um unseretwillen ist "das kostbare Blut vergossen worden." Wenn wir lernen, zusammenzuleben, Seite an Seite den Weg gehen, von dem Gott will, daß wir ihn gehen, in der freien Hingabe unserer Antwort und ohne Angst, etwas zu verlieren, das unsere Gründer nicht hatten. So ist unsere Ausbildung auch heute gültig.
Schulbesuch
von James Urbanic, C.PP.S.
Mein Provinzial P. Mark Miller und ich haben eine verschiedene Meinung über das, was ich zur Zeit tue. Er nennt die zwei Jahre meiner Fortbildung "Sabbatzeit", ich spreche von "Schulbesuch". Wir mögen verschiedener Meinung über die Begriffe sein, aber wir sind uns einig über das Vorhaben: für eine Fortbildung in Theologie wieder zur Schule zu gehen, eine Weile Abstand nehmen von verantwortlichen Aufgaben, mich vorbereiten auf eine andere Aufgaben im priesterlichen Dienst.
Dienst
in der Gemeinde und Unterricht
Priestertum und Leben bedeuten für mich eine Verbindung von Seelsorge (Leben
in der Pfarrei) und Unterricht. Ich bin 1971 zum Priester geweiht worden und
war sieben Jahre in der St. Francis Pfarrei in St. Joseph, Missouri, einer Pfarrei,
die 1890 von den Missionaren vom Kostbaren Blut gegründet worden ist. Von
1978-87 war ich Ausbildungsleiter in der Provinz von Kansas City und unterrichtete
mit den Benediktinern an der St. John Universität in Collegeville, Minnesota,
wo unsere Studenten Theologie studierten. Von 1987-97 war ich wieder Pastor
in der St. Francis Pfarrei. Zur Zeit bin ich in Cambridge, Massachusetts, an
der theologischen Schule der Jesuiten. Der Rhythmus wechselt zwischen Diensten
in der Pfarrei und der Ausbildung. Das ist ein Rhythmus, der mir liegt, denn
er kommt beiden Seiten meines Lebens zugute.
Entdeckung
neuer Dimensionen in der Theologie
Im Seminar habe ich nicht alle Theologie gelernt, die ich brauchte oder die
ich gerne studiert hätte. In den Vereinigten Staaten hat es bedeutsame
Entwicklungen in der Theologie gegeben, die nicht Teil meiner Priesterausbildung
waren. Die neueren Entwicklungen in Christologie, Bibelwissenschaft, in der
Befreiungstheologie und feministischen Theologie sowie dramatische Änderungen
in der katholischen Kirche selbst, waren mir während meines Studiums von
1967-71 nicht zugänglich. 30 Jahre danach mit einiger Erfahrung sowohl
in der Ausbildung als auch in der Gemeindearbeit, bin ich mehr imstande, die
"Botschaft zu hören" und die katholische Tradition zu schätzen.
Ich bin nicht mehr ein unbeschriebenes Blatt, eine Tabula rasa, wie sie uns
nannten, die darauf wartet, daß aszetische und mystische Theologie auf
meinen "aufnahmebereiten" Geist geschrieben wird. Ich habe eine Geschichte
und eine Richtung für meinen zukünftigen Dienst. Beide dieser Bereiche,
meine vergangene Geschichte und meine Ausrichtung auf die Zukunft, bestimmen
nun, welche Vorlesungen ich besuche, welche Bücher ich lese und welche
Art von Seminarpapieren ich schreibe. Es ist interessant, wieder zur Schule
zu gehen, nicht nur, weil es einfach notwendig war, sondern weil ich lernen
kann, was sich in den letzten 30 Jahren getan hat und um mich vorzubereiten
für andere Dienste in der Provinz und in der Kirche.
Zurück zu Provinzial P. Mark. Er sieht in dem, was ich tue, beides: Eine Zeit, um Abstand zu nehmen von den Herausforderungen des Unterrichtens und den Seelsorgediensten in der Pfarrei, und eine Zeit, in welcher ich mich auf einen anderen Dienst vorbereiten kann. Ich sehe das auch, aber ich gehe zur Schule, nicht er. Ich schreibe die Papiere, lese die Bücher und bereite eine Doktorarbeit vor. Beide sehen wir die Bedeutung der Sabbatzeit, das Umschalten auf eine andere Gangart, das Abstandnehmen von verantwortlichen Aufgaben; und wir sehen die Bedeutung der Weiterbildung, die Möglichkeit, zu promovieren (in diesem Fall, ein Lizenziat in Theologie), um so in den Weinberg des Herrn zurückzukehren. Beide Blickpunkte sind wichtig.
Der Provinzial gibt einigen Mitgliedern die Möglichkeit, einige Zeit Abstand zu nehmen, in welcher sie einen anderen akademischen Grad erwerben können oder nicht. Der Betreffende hat dann Zeit, sein eigenes Tun in den Blick zu nehmen, zurückzutreten und eine andere Perspektive in Kirche und im Apostolat zu sehen. Der Provinzial plant diese Sabbatzeit entsprechend dem Rhythmus der Provinz. P. Mark ist nicht der erste Provinzial der Provinz von Kansas City, der Sabbatzeiten gewährt. Wir haben Richtlinien betreffend Fortbildung und Erneuerung. Nach einer solchen Zeit kehrt der Betreffende zu seiner neuen Aufgabe erneuert zurück, mit neuen Kenntnissen und mit Begeisterung, mit neuer Kraft und Zielrichtung und mit einem Brennpunkt.
Ich wählte ein Programm zur Erlangung eines akademischen Grades. Ich hoffe, mit trägen und fernstehenden Katholiken arbeiten zu können. Als ich eine Liste theologischer Schulen in den Vereinigten Staaten überblickte, entschied ich mich für eine in der Gegend von Boston. Zu dieser gehören neun andere theologischen Schulen, drei von ihnen sind katholisch. Wenn man zu einer der Schulen zugelassen ist, kann man an den Vorlesungen jeder anderen Schule teilnehmen. Die Jesuitenschule Weston empfand ich streng akademisch, aber sie bietet nicht all das, was ich brauche. Es gibt andere Schulen, die ich besuchen kann, einschließlich die von den Jesuiten geführte Boston College, die Boston Universität, drei andere protestantische Schulen und die berühmte Harvard Universität.
In der Gegend von Boston gibt es zudem ständig Fortbildungsmöglichkeiten. Die Gegend hat eine reiche Kultur, viele historische Stätten, sie liegt nahe am Ozean - da ich mein ganzes Leben im mittleren Teil der USA gewohnt habe, bin ich nie so nahe am Meer gewesen. Zudem lebt meine Schwester mit ihrer Familie in der Gegend von Boston. Zu Ostern hatte ich Dinner mit meiner Familie -- zum ersten Mal seit 1962; es war wunderbar!
Zusammenarbeit
Etwas, was ich in meiner Priesterausbildung nicht erfahren habe, ist hier die
Gelegenheit, mit anderen zu sprechen und zusammenzuarbeiten: mit solchen, die
nicht in den USA geboren sind, mit Frauen, mit Anhängern anderer Religionsgemeinschaften
und mit Leuten, die im apostolischen Dienst Erfahrungen hatten. Die Absonderung
von der Welt während der Priesterausbildung, die einst als Vorteil betrachtet
wurde, mag nun ein Nachteil sein. Der Weinberg des Herrn ist die Welt. Es gibt
viele andere, die dort arbeiten und Außergewöhnliches tun. Ihnen
zuzuhören, wie sie über ihren Glauben und ihre Dienste sprechen, ist
Teil meiner Ausbildungserfahrung.
Ich habe mich entschieden, in einem Pfarrhaus zu wohnen. Es ist kein Haus unserer eigenen gemeinschaft. Ich wollte nicht in eines Studentengemeinschaft leben, sondern dort, wo ich Gemeindeleben erfahren kann. Hier erlebe ich die gewöhnlichen Ereignisse von Geburt und Tod, ich begegne Kindern und Erwachsenen, Gläubigen und Ungläubigen, Kranken und Gesunden, Heiligen und Sündern. Ich habe einige Aufgaben in der Pfarrei, genug, um aktiv zu bleiben, aber nicht so viel, daß sie mir zur Last würden. Die Eucharistie ist Teil des täglichen Lebens der Pfarrei und meines eigenen Lebens. Nach den zwei Jahren in Cambridge beabsichtige ich, wieder in eines unserer Häuser zurückzukehren, .
Schluß
Mein erstes Jahr liegt hinter mir. Ausbildung, die weitere Sicht, Gebet, Erholung,
Lesen und Besuche, die ich nicht machen konnte, als ich voll in der Pfarrei
und in der Schule war, betrachte ich als Gewinn. Ich hoffe, daß auch anderen
Mitgliedern der Provinz solch eine Zeit geschenkt wird, die ich genieße.
Möge Gott unser aller Leben und unser Mühen segnen!
GEMEINSAM
TRÄUMEN - GEMEINSAM BAUEN
von Emanuele Lupi
Eine
Erfahrung als Missionar während der Ausbildung
Ich glaube, daß wir alle schon tiefe Erfahrungen in unserem Leben hatten,
die wir wohl kaum vergessen werden, wie zum Beispiel der Tod einer unserer Lieben
oder der Tag der Priesterweihe (für die, die schon zum Priester geweiht
sind). Ein großer Augenblick auf meiner eigenen, noch kurzen Wegstrecke
war der Tag, an dem ich Italien verließ, um für einige Zeit in Peru
als Missionar zu leben.
Vom Augenblick meines Eintritts in das Seminar zu Albano an hatte ich den großen Wunsch, in andere Länder zu reisen, dorthin, wo mehr Armut und Bedürftigkeit herrscht. Ich war immer an Lateinamerika interessiert, vielleicht deshalb, weil mich in jungen Jahren Sr. Filomena, eine Franzikanerin, zu der ich viele Bindungen habe, dafür interessierte. Im Laufe der Zeit wurde der Wunsch größer, bis der Traum Wirklichkeit wurde.
Unter den Studenten der Kongregation machte ich mir das Projekt der Internationalisierung zunutze. Ich bat den Rektor des Seminars in Rom, mir zu ermöglichen, Erfahrungen in einem anderen Land zu machen. Der Vorschlag wurde angenommen und dem Provinzial- und Generaloberen vorgelegt. Meine Obern gaben mir die nötige Erlaubnis, und so begann ich, nach einem Land zu suchen, das mir die Erfahrung vermitteln könnte, die ich machen wollte. Nach einigen Gesprächen mit P. Barry war ich entschlossen, unsere Missionare in Peru zu fragen, ob sie mich für eine Zeit aufnehmen würden. Vom ersten Augenblick an, als sie damit konfrontiert wurden, akzeptierten mich die Mitbrüder dieser Mission. Und so reiste ich am 13. August 1997 nach Peru, um meine Erfahrungen dort zu beginnen.
Zunächst mußte ich Spanisch lernen, denn ich kannte die Sprache vorher nicht. Während dieser Zeit sowie bei den Besuchen, die ich in verschiedenen Orten machen konnte, begann ich, das Land schätzen zu lernen, in welchem ich nun lebte. Ich denke, Peru ist ein phantastisches Land. Es ist gleichsam eine Synthese der ganzen Welt. Innerhalb desselben nationalen Territoriums findet man zu gleicher Zeit vollkommen verschiedene Wirklichkeiten. Da gibt es das Peru der Küste, ein Peru des Zentralgebirges, ein Peru des Dschungels und dazwischen -- zuweilen sehr stark hervortretend -- noch andere Landschaftsbilder. Diese geographische Verschiedenheit hat große klimatische Unterschiede zur Folge. Innerhalb desselben Landes trifft man auf sehr kalte, winterliche Zonen und Gebiete mit äquatorialer, intensiver Hitze, weite Wüstenlandschaften und weitausgedehnte fruchtbare Gebiete. Vor einiger Zeit las ich, daß man von den 120 ökologischen Zonen, die es auf der Welt gibt, 84 in Peru finden kann. Das fördert eine große Vielfalt von Traditionen, die in Liedern und Tänzen zum Ausdruck gebracht werden, leider manchmal übergehend in Rassismus -- die traurige Trennung, die durch die Hautfarbe verursacht wird. All das beeinflußt auch die Pastoralarbeit.
Die
Peruanische Mission
Die Peruanische Mission besteht heute aus fünf Kommunitäten. Zwei
davon sind Ausbildungs-häuser für Aspiranten und für Seminaristen,
die anderen drei befinden sich in Pfarreien. Ein Haus ist in der Comas-Sektion
von Lima. Die Hauptpfarrei dort ist "Nuestra Señora de la Luz"
("Unsere Liebe Frau vom Licht"); zu ihr gehören elf andere Gemeinden
mit ihren dazugehörigen Kapellen. Ein anderes Haus ist in der San Borja-Sektion
von Lima. Die Pfarrei dort nennt sich "San Francisco de Borja" ("Hl.
Franz von Borgia"). Neben der Pfarrkirche befindet sich eine Schule mit
demselben Namen. Das Gebiet ist ziemlich groß, die Pfarrei wurde gegründet,
als die Gegend kaum bewohnt und noch freies Feld war. Heute ist es das Zentralhaus
der Mission. Ein drittes Haus befindet sich im Zentralgebirge in La Oroya. Die
Mitbrüder dort sind für die Seelsorge des ganzen Gebietes verantwortlich.
Das Gebiet ist sehr groß, und es dauert Stunden, um von einem Ende zum
anderen zu gelangen. Ungefähr 44 Dörfer gehören dazu. Die Hauptpfarrei
ist "Cristo Rey" ("Christkönig) Die Kommunität von
La Oroya ist die "Mutter" der Peruanischen Mission, denn P. Paul Buehler,
der viele Jahre in Chile tätig gewesen war, eröffnete hier im Jahre
1962 das erste Haus.
Meine
Arbeit im Colegio San Borja
Nach meiner Ankunft in Peru hatte ich Gelegenheit, die verschiedenen Pfarreien
zu besuchen und dort für kurze Zeit zu leben. Seit dem 1. März lebe
und wirke ich in der Kommunität von Borja. Wir sind zu dritt: P. Ernesto
Ranly, Leiter der Mission und Pfarrer, P. Paul Buehler, Assistent des Pfarrers,
und ich. Meine Aufgabe ist, im Colegio San Francisco de Borja als geistlicher
Begleiter und Religionslehrer zu helfen. Die Pastoralarbeit nimmt den größten
Teil meiner Zeit in Anspruch; aber ich habe auch Zeit, am Gemeinschaftsleben
teilzunehmen. Wir beten die Laudes gemeinsam. Auch die Mahlzeiten sind für
uns wichtige Zeiten des Zusammenseins, während der wir unsere Erfahrungen
über unsere Tätigkeitsbereiche austauschen können. Wenn die Aufgaben
in der Pfarrei es gestatten, kommen wir zuweilen auch am Abend zusammen, um
uns zu unterhalten oder um einfach einen Film anschauen. Solche Augenblicke
sind für mich sehr wichtig, weil ich hier mit den älteren Mitbrüdern,
mit denen ich zusammenlebe, Erfahrungen austauschen und Zweifel klären
kann. Ich kann von denen lernen, die mehr wissen als ich. Zuweilen erzählt
P. Paul über die Anfänge der Mission und hilft mir so, die Gemeinschaft,
in der ich lebe, ein wenig besser zu verstehen. Ich stimme denen zu, die sagen,
daß die Ausbildungszeit mit dem Verlassen des Seminars nicht endet. Es
ist ein langer Prozeß, der uns jeden Tag die Möglichkeit gibt, zu
wachsen und zu reifen. In den vergangenen Jahren erhielt ich in Albano und Rom
die Grundlage und lernte Theorien, aber erst jetzt befinde ich mich in der eigentlichen
Prüfung, Tag für Tag in einer Gemeinschaft zu leben und Schulter an
Schulter mit Leuten zu arbeiten, die ich anfangs nicht einmal kannte, die mich
aber jetzt "Bruder" nennen. Wir mögen uns im Sprechen miteinander
als Ausländer erfahren, aber unsere Spiritualität und unser Charisma
haben dieselbe Sprache, die uns eint und die uns "eins" macht.
Die Tätigkeit im Colegio half mir, in den komplexen Bereich des Lehrens und Unterrichtens einzutreten. Einer der älteren Lehrer sagte, daß der Erzieher ein "Mitschöpfer" ist, der par excellence das Werk des Schöpfers fortsetzt. Ich helfe nicht nur in der geistlichen Begleitung (asesor espritual) oder stehe den liturgischen Feiern vor, die das Leben des Colegio kennzeichnen, sondern ich habe auch die Pflicht, die Schüler auf dem schwierigen Weg zu begleiten, menschlich und geistlich zu wachsen. Zuweilen ist es eine große Herausforderung, Erzieher (Formator) zu sein und nicht nur Lehrer. Auf der Grundlage dieser Überlegungen steht der Wunsch, ein "evangelisierendes Colegio" möglich zu machen, in welchem man die Luft neuer Dinge und die Einheit im Blut Christi atmen kann. Aus diesem Grund sind viele Aktivitäten gefördert worden, die die Schüler auffordern, in den eigenen Reihen und in den unterschiedlichen Gegebenheiten der wöchentlichen Missionen zu evangelisieren. In der Schule haben wir Gebetsgruppen und eine große Gruppe "junger Missionare". Fast jede Woche besuchen wir ein Waisenhaus mit den Schülern des ersten Jahrgangs der Sekundarstufe. Mit den älteren Schülern gehen wir zu einem Frauengefängnis. Mehr und mehr Erfahrungen sammeln wir mit Besuchen von Aids-Kranken in einem Hospiz. Dies sind meine Aufgabenbereiche in Lima. Wir haben jedoch auch begonnen, hin und wieder Dörfer im Zentralgebirge zu besuchen. Mit kleinen Schülergruppen weilen wir dort für vier Tage und nehmen teil an der Missionsarbeit unserer Mitbrüder, die dort tätig sind.
Mehr und mehr sehe
ich, daß in der Jugend, mit der ich arbeite, der Wunsch wächst, Christus
mehr kennenzulernen und, was vielleicht noch wunderbarer ist, ihn zu verkünden.
Zuweilen denke ich, daß ich es bin, der gibt; aber dann merke ich, daß
ich noch mehr empfange. Mit großer Befriedigung nehme ich wahr, daß
die Mühen früher oder später Frucht bringen.
Manchmal gelingt nicht alles so, wie ich es möchte, wichtig ist jedoch,
auch den kleinen Enttäuschungen eine positive Seite abgewinnen zu können.
Schlußfolgerung
Ich glaube, daß diese Erfahrung in mir eine Spur hinterlassen wird, die
ich nie vergessen werde. Ich weiß gut, daß ich am Ende dieser Zeit,
die mit gegeben ist, nach Italien zurückkehre; aber ich weiß auch,
daß ein großer Teil von mir in Peru bleiben wird unter denen, die
ein Stück Weges mit mir gegangen sind und mir Vertrauen geschenkt haben.
Diese Erfahrung hilft mir, mich selbst besser als Teil der Ordensfamilie zu
sehen. Ich kenne nicht viele Mitbrüder, und vielleicht werde ich nie viel
mehr von ihnen kennenlernen. Sie sind jedoch für mich ein wichtiger Teil
meines Lebens. Die Zeit in Peru hat mir unter anderem die Erfahrung geschenkt,
daß wir in den unterschiedlichen Gegebenheiten dieselbe Botschaft verkünden
können, auch wenn wir aus verschiedenen Kulturen kommen.
Ich möchte meinen Mitbrüdern der Peruanischen Mission danken, die mich von Anfang an haben zu Haus fühlen lassen, die mit mir gegangen sind und mir in allen Augenblicken geholfen haben. Ich danke ferner P. Barry und den Obern meiner Heimatprovinz in Italien, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und die mir trotz der räumlichen Entfernung nahe gewesen sind.
Ich hoffe, daß auch andere ähnliche Erfahrungen machen können, damit der Dialog unter den Mitgliedern der verschiedenen Provinzen gefördert werde und um zu helfen, daß Träume Wirklichkeit werden, denn wenn wir zusammen träumen, vermögen wir zusammen Großes aufzubauen.